Das umstrittene deutsche Bahnprojekt "Stuttgart 21" hat am Mittwoch den Verkehrsausschuss des Berliner Bundestages beschäftigt. Der Sprecher für das Projekt Stuttgart-Ulm, Udo Andriof, mahnte in einer öffentlichen Anhörung in Berlin, Entscheidungen über wichtige Infrastrukturvorhaben dürften nicht von der Stärke von Protesten abhängig gemacht werden. "Die Bürger wurden im Planungsverfahren durchaus beteiligt", betonte er. Das Milliardenprojekt sei rechtlich und politisch legitimiert, seine Finanzierung vertretbar, sagte Andriof.

Bahn-Vorstand Volker Kefer verteidigte ebenfalls das Großprojekt aus Bahnhofsumbau und Neubaustrecke, das nach bisherigen Berechnungen insgesamt sieben Milliarden Euro kosten soll. Kefer betonte, das Verkehrsprojekt stärke den Wirtschaftsstandort Stuttgart und verbessere die Verkehrsanbindung im Regional- und Fernverkehr. Die Investitionssumme für die beiden Jahrhundertprojekte werde sich "in 20 bis längstens 50 Jahren" amortisieren, betonte Kefer in seiner Stellungnahme.

Zweifel

Der von der SPD-Fraktion geladene Experte Christian Böttger hingegen zog vor dem Ausschuss die Wirtschaftlichkeit der geplanten Neubaustrecke Stuttgart-Ulm in Zweifel.

Der von den Grünen geladene Sachverständige Karlheinz Rößler sprach sich gegen das umstrittene Bahnprojekt aus. Der Kopfbahnhof sei keineswegs veraltet und leistungsfähiger als der geplante Durchgangsbahnhof, sagte er. Die von der Bahn genannten Kosten bezeichnete er als unrealistisch. In seiner schriftlichen Stellungnahme hieß es, die Baukosten beider Projekte könnten sich auf bis zu 15 Milliarden Euro belaufen. SPD, Linke und Grüne fordern in drei Anträgen einen sofortigen Baustopp. (APA)