Bild nicht mehr verfügbar.

Etwa jeder dritte Diabetiker hat mit depressiven Symptomen zu kämpfen.

Im Bild: Anlässlich des Welt-Diabetes-Tags (heuer am 14. November) werden viele Sehenswürdigkeiten und Gebäude blau beleuchtet.

Foto: AP/ Ricardo Moraes

Wien - Personen mit Diabetes Typ 2 leiden oftmals nicht nur an der Stoffwechselerkrankung, sondern auch an Depressionen. Nur wenn beide Krankheiten richtig behandelt werden, kann eine gute Stoffwechseleinstellung gelingen. Etwa jeder dritte Diabetiker hat mit depressiven Symptomen zu kämpfen. Die Ergebnisse der Studie "MDDM" (Major Depression - Diabetes Melitus) stellten Experten bei einer Pressekonferenz in Wien vor.

Screening

Für depressive Diabetiker sei es wesentlich schwieriger den Diätplan einzuhalten und die Medikamente richtig und regelmäßig einzunehmen. "Deshalb sollten diese Personen bereits bei leichten Formen der Depression therapiert werden", erklärte Heidemarie Abrahamian vom Institut für Medizin und NLP. Denn Folgeerscheinungen des schlecht behandelten Diabetes, wie Durchblutungsstörungen, Nierenprobleme, Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall führen zu einer signifikant erhöhten Mortalitätsrate. "Einmal pro Jahr sollte jeder Patient auf Depressionen gescreent werden", so die Wiener Spezialistin.

Viele Betroffene der etwa 500.000 Diabetiker in Österreich würden zwar versuchen nach der Diagnose ihren Lebensstil zu ändern, doch schaffen es nicht. Etwa ein Drittel davon, um die 200.000 Personen, leidet zusätzlich an depressiven Verstimmungen in den verschiedensten Ausprägungen. "Hier bedarf es viel Fingerspitzengefühl, um zuerst die Depression zu behandeln", sagte Hermann Toplak von der Grazer Universitätsklinik für Innere Medizin. Erst dann habe der Patient die nötige Energie seinen Behandlungsplan entsprechend zu befolgen.

Interdisziplinärer Austausch wichtig

Besonders wichtig sei deshalb der interdisziplinäre Austausch. Behandelnde Internisten sollten verstärkt darauf achten, ob beim Patienten bereits eine latente Depression vorliege, betonte der Psychiater Andreas Walter, Abteilungsvorstand der 5. Medizinischen Abteilung im Geriatriezentrum am Wienerwald. "Wenn ein Antidepressivum beim Patienten anschlägt, können andere Medikamente teilweise sogar reduziert oder ganz einspart werden", so Walter. Antidepressiva müssten aber stoffwechselneutral sein und dürften zu keiner zusätzlichen Gewichtszunahme führen. (APA)