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Ende 2010 wird das Ausscheiden von Kaufmann erwartet.

Foto: APA/Helmut Fohringer

1,296 Millionen Euro muss der Flughafen dem Architekten Sepp Frank an Schadenersatz bezahlen. Das könnte den Abgang von Vorstand Herbert Kaufmann beschleunigen. Sein Rücktritt wird erwartet.

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Wien - Den von einigen Aufsichtsratsmitgliedern forcierte Kahlschlag der Flughafen-Führung wird es bei der Aufsichtsratssitzung am 24. November nicht geben. Gerhard Schmid (SP) und Ernest Gabmann (VP) werden, wie es derzeit aussieht, bleiben, weil die Haupteigentümer Wien und Niederösterreich (halten zusammen 40 Prozent) an beiden festhalten.

Es wird aber erwartet, dass Flughafen-Sprecher Herbert Kaufmann (SP) bei der Aufsichtsratssitzung seinen Rücktritt anbietet, wegen Meinungsverschiedenheiten mit Aufsichtsratschef Christoph Herbst. Kaufmann "will das nicht kommentieren" und verweist wie so oft auf seinen bis 2014 laufenden Vertrag.

Vorstandsangelegenheiten stehen bei der Aufsichtsratssitzung zwar nicht auf der Tagesordnung, "aber jeder weiß, dass es nur darum geht", hieß es aus dem Gremium. Man wolle, nachdem der Vorstand die letzten 1,5 Jahre nur mit sich und der Verteidigung von Skylink beschäftigt war, eine personelle und inhaltliche Weichenstellung für die Zukunft, wird betont. Zufall oder nicht, am 26. November findet um 9 Uhr eine Betriebsversammlung statt. Wie viel Geld Kaufmann für den Abgang bekäme, ist noch nicht ausverhandelt. Wäre er Ende März mit 100 Prozent seiner Ansprüche gegangen, wären es rund 1,8 Mio. Euro gewesen. Kaufmann dementiert die Zahl.

Geht Kaufmann mit Jahresende, so muss die von Roland Berger mitentwickelte Neuorganisation des Airports auf zwei Vorstände angepasst werden, was intern bereits geschah: Der wichtige Bereich Aviation, den sich bisher Kaufmann und Schmid teilten, ginge zur Gänze an Schmid. Er hätte dann noch das Handling und die Inbetriebnahme von Skylink zu verantworten. Insider sagen, dass Schmid in seinen Bereichen einen guten Job gemacht habe und Skylink bei ihm gut aufgehoben sei. Gabmann, der bereits jetzt für die Finanzen, das Rechnungswesen und die Bautätigkeit zuständig ist, würde von Kaufmann das Controlling und die Budgetierung übernehmen.

Als hätte der Flughafen mit den heutigen Problemen rund um Skylink nicht schon genug zu tun, werden nun auch Schadenersatzzahlungen fällig: Der Oberste Gerichtshof bestätigte das Urteil aus der ersten Instanz, wonach der Flughafen als Bauherr rechtswidrig Planungsunterlagen verwendet hat. Laut jüngstem Spruch vom Oktober (4Ob117/10z) muss der Airport nun an den Architekten Sepp Frank Schadenersatz in Höhe von 1,296 Mio. Euro zahlen. Das bestätigte Franks Anwalt Christoph Leon dem Standard. Inklusive Gebühren steigen die Kosten auf 1,6 Mio. Euro. Zur Erinnerung: Die Wettbewerbsjury hat im Jahr 2000 zwei Siegerprojekte vorgeschlagen. Frank war Erstgereihter, der Flughafen entschied sich aber für die Zweitgereihten Baumschlager-Eberle. Diese hätten Teile von Franks Plänen übernommen. Der Flughafen seinerseits will "die Ansprüche an Baumschlager-Eberle weitergeben". Rechtliche Schritte gegen die Architekten werden geprüft. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.11.2010)