Wien/Linz - Ohne Ergebnis endete nach knapp eineinhalb Stunden derWestring-Gipfel Mittwochabend in Wien. "Es hat nichts gebracht. Ministerin Doris Bures wollte uns aufs Abstellgleis schieben" ,sagte Oberösterreichs Baulandesrat Franz Hiesl (ÖVP) hörbar verärgert. Gemeinsam mit Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) sowie dessen Stellvertreter Josef Ackerl und dem Linzer Bürgermeister Franz Dobusch (beide SPÖ) wollte er eines erreichen: Bures Bauzusage für die Linzer Stadtautobahn. "Als geschlossener Block" sei man zwar nicht "drohend" aber "fordernd" (Hiesl) nach Wien gefahren.

Der Westring, die A26, ist aus Sicht der Oberösterreicher ein dringend notwendiges Projekt, um Linz vom Pendlerverkehr aus dem Mühlviertel zu entlasten. Ohne ihn würde etwa der Verkehr auf der Nibelungenbrücke von derzeit 47.000 Autos pro Tag auf 71.000 im Jahr 2025 steigen, sagen Verkehrsprognosen des Landes.

"Unser Bestreben ist es, deutlich zu machen, dass kein Weg am Westring als Autobahn vorbeiführt" , erklärte Pühringer. "Es muss nicht immer die XXL-Variante sein" , hieß es allerdings schon vor derUnterredung auf der anderen Blockseite.

Allein der 4,3 Kilometer lange Südteil des Westrings mit der vierten Donaubrücke ist mit 527 Millionen Euro veranschlagt. Innerhalb der zehnjährigen Planungsphase haben sich die Kosten für den Bau bereits mehr als verdoppelt. Schon 2007 hatte die Asfinag-Bau-Tochter eingeräumt: Der Westring sei "wie alle Stadtautobahnen extrem teuer, aber für das hochrangige Straßennetz Österreichs nicht essenziell" .

A26 in Linz zu teuer

Wegen des Sparkurses des Bundes und der Mindereinnahmen bei der Maut hatte dasMinisterium in den vergangenen Monaten alle 34 Straßenbauprojekte im hochrangigen Straßennetz der Asfinag neu bewertet. Die A26 wurde, wie zu Allerheiligen bekannt wurde, auf der Prioritätenliste ins Mittelfeld zurückgereiht, denn sie sei nicht leistbar. "In einer Zeit, in der Sozialleistungen zurückgenommen werden, sollte auch eine sinnvolle Redimensionierung von Autobahnbauten möglich sein" , argumentierte Bures. Als Kompromiss wiederholte sie ihr Angebot einer kostengünstigeren Landesstraße, an deren Bau sich der Bund "beträchtlich beteiligen wird" . In den nächsten drei Monaten solle eine Arbeitsgruppe Sparvarianten erstellen.

"Das war für uns unannehmbar" , sagte Hiesl darüber, warum man in Wien keinen Schritt weiter gekommen sei. Denn eine Umplanung bedeute, dass das Projekt Westumfahrung von Linz wieder bei der "Stunde Null" stehe. "Wir lassen uns sicher nicht zum Narren halten" , lautete die Antwort der Oberösterreicher. Pühringer kündigte nach dem Treffen an, er werde heute, Donnerstag, "umgehend" eine Gesprächsrunde mit dem Bundeskanzler und dem Finanzminister einfordern. (Kerstin Scheller, DER STANDARD, Printausgabe, 11.11.2010)