Wien - Bis zuletzt sind am Donnerstag in der Früh Gespräche über die von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz angestrebte Ablöse von ORF-Informationsdirektor Elmar Oberhauser gelaufen. Sollten dabei keine Einigung gefunden worden sein, dann ist für Donnerstagmittag in der Sitzung des ORF-Stiftungsrats die Abwahl des Informationsdirektors geplant. Die APA hat eine Chronologie der Ereignisse in Zitaten zusammengestellt.

"Ich muss nun zur Kenntnis nehmen, dass ich mir meine engsten Mitarbeiter nicht selber aussuchen kann, sondern einem Diktat zu gehorchen habe." Informationsdirektor Elmar Oberhauser wirft am 21. Oktober in einem internen Mail, in dem er die Bestellung von Fritz Dittlbacher zum Chefredakteur kritisiert, den ersten Stein.

"Ich muss eingestehen, dass ich offensichtlich nicht mehr in der Lage bin, völlig unzulässige Einmischungen, in diesem Fall von der SPÖ, zu verhindern", schreibt er weiter. "Jeder anständige Mensch nimmt in so einer Situation seinen Hut und geht", philosophiert der Infodirektor, der jedoch in seinem Fall von voreiligen Schritten absehen will und bleibt.

"Nach meiner grundsätzlichen Auffassung sind weder Ton noch Inhalt jene Kommunikationsform, die ich für die Mitglieder meiner Geschäftsführung für angebracht halte", kontert ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz am selben Tag auf dem selben Kommunikationsweg: ein internes Mail, das ebenso schnell den Weg nach außen zur Medienjournaille findet.

"Ich werde deshalb den von Informationsdirektor Oberhauser eingeschlagenen Weg nicht mitgehen und in aller Sachlichkeit und Ruhe mit diesem morgen die Angelegenheit klären und im Anschluss meine Entscheidungen mitteilen", kündigt der Generaldirektor an.

"Elmar Oberhauser mit sofortiger Wirkung im Urlaub", lautet die Entscheidung nach einem mehrstündigen Gespräch am folgenden Tag laut OTS-Aussendung des ORF.

"Die Führung des wichtigsten elektronischen Mediums setzt ein Mindestmaß an vertrauensvoller Kooperation voraus. Dies ist in der Zusammenarbeit mit Herrn Oberhauser derzeit nicht gewährleistet", begründet Wrabetz dies.

"Wenn schon, dann sollte Wrabetz gehen und nicht Oberhauser", findet daraufhin Ex-ORF-General Gerd Bacher in der Tageszeitung DER STANDARD.

"Chaostage am Küniglberg", ortet deshalb ÖVP-Stiftungsrat Franz Medwenitsch. "Jetzt steht Wrabetz vor den Trümmern seines Personalkarussells, und wer nicht mitspielt soll offenbar entfernt werden. So richtet man den ORF zugrunde."

"Ich nehme die Entscheidung lächelnd zur Kenntnis" - der beurlaubte Informationsdirektor sieht im Gespräch mit den "Vorarlberger Nachrichten" keinen Grund zur Gram. Und: "Nein, ich hatte mir gut überlegt, was ich schreibe." Die von Wrabetz geforderte Entschuldigung kommt für "Elmo" demnach nicht in Betracht.

"Wenn der Herr Generaldirektor so weitermacht, ist er auf dem besten Weg, das Paradeunternehmen ORF zu ruinieren", findet darauf hin ÖVP-Klubchef Karlheinz Kopf.

"Die Revolver sind gezogen, aber nicht abgefeuert". Caritas-Präsident Franz Küberl, er ist der Kirchenvertreter im ORF-Stiftungsrat, glaubt am 27. Oktober doch noch an eine friedliche Einigung.

"Das Vertrauensverhältnis ist aus meiner Sicht zu schwer erschüttert." - ORF-General Wrabetz erklärt im Nachrichtenmagazin "profil", warum er Oberhauser loswerden will.

"Abberufung des Informationsdirektors gemäß Paragraf 21, Absatz 1, Ziffer 5 des ORF-Gesetzes." Am 4. November verschickt Wrabetz die Tagesordnung für die Stiftungsratssitzung am 11. November. Punkt vier der Tagesordnung verheißt für Oberhauser nichts Gutes.

"Sich selbst mangels politischer Heimat zum Nabel der Welt zu erklären, seine eigenen Launen zum Programm zu erheben und wie die Inkarnation eines italienischen Renaissancefürsten zu agieren, erscheint mir wahrhaft undemokratisch." Ungewöhnlich harsche Worte in Richtung Oberhauser findet unterdessen die dem SPÖ-"Freundeskreis" angehörende Vorsitzende des ORF-Stiftungsrates, Brigitte Kulovits-Rupp. Oberhausers Vorgehen um die Bestellung Dittlbachers zum TV-Chefredakteur findet Kulovits-Rupp im STANDARD-Interview "wirklich hinterfotzig".

"Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat." So beschreibt ORF-Chef Wrabetz im APA-Interview Oberhausers Vorgehen in Sachen Dittlbacher. Das Verhältnis zwischen den beiden ORF-Direktoren sei seit Monaten belastet gewesen. Wrabetz: "Es gibt Grenzen und wenn diese überschritten sind, gibt es eben auch Konsequenzen."

"Einen Oberhauser bringt keiner um. Ich bin ein Kämpfer", erklärt der Infodirektor am darauffolgenden Wochenende via "Österreich".

Oberhauser bekommt für die Stiftungsratssitzung am 11. November eine Anhörung zugesprochen. "Eine Frage der Ausgewogenheit" nennt das Kulovits-Rupp.

Die heimischen Tageszeitungen räumen der Causa viel Platz und Raum ein. "'Mitten im Chaos' statt 'Helden von Morgen'", "Die brüchigste ORF-Führung der Geschichte" oder "Die ORF-Großbaustelle" lauteten nur einige der Aufmacher. Auch das Ausland wird aufmerksam. "So richtet man den Sender zugrunde" titelt etwa die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" über den Machtkampf im ORF. "Beim österreichischen Rundfunk wird um Posten geschachert. Der Generaldirektor mischt parteipolitisch kräftig mit. Er beruft einen Chefredakteur, der Informationschef muss in Zwangsurlaub", so die FAZ. Von einer "Schlammschlacht im ORF" schreibt die "Neue Zürcher Zeitung".

"Eine Beleidigung von tausenden Mitarbeitern und Dutzenden Führungskräften" nennt Wrabetz die Berichterstattung in der Tagespresse. Trotz des Krachs in der ORF-Chefetage würde unzutreffenderweise eine "Krise" des Senders herbeigeschrieben.

"Das ist ja überhaupt eine der größten Katastrophen im ORF: Dass sowohl im Stiftungsrat als auch im Publikumsrat und ganz besonders in der Generaldirektion Laien sitzen. Das ist eine Laienbruderschaft." Einen Tag vor den Entscheidungen am Küniglberg zieht Ex-ORF-Chef Bacher im APA-Interview nochmals in bernhardesker Manier vom Leder. Und Bacher erklärt Oberhauser genetisch: "Er ist Vorarlberger, und einem Vorarlberger darf man nichts drein reden." (APA)