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Hätten mehr Menschen eine bessere Bildung, würde die Zahl an Gewalt- und Eigentumsdelikten deutlich sinken, so die deutsche Studie.

Foto: APA/HELMUT FOHRINGER

Gütersloh - Bessere Bildung führt zu deutlich weniger Verbrechen in Deutschland. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie der Bertelsmann Stiftung. Die Autoren Horst Entorf und Philip Sieger von der Universität Frankfurt/Main weisen darin erstmals für Deutschland einen kausalen Zusammenhang zwischen unzureichender Bildung und Kriminalität nach. Demnach würde die Zahl an Gewalt- und Eigentumsdelikten deutlich sinken, könnte die Zahl der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss halbiert werden. Hochgerechnet auf das vergangene Jahr hätte es in diesem Fall rund 420 Fälle von Mord und Totschlag, 13.500 Raubüberfälle und 320.000 Diebstähle weniger gegeben, so die Forscher.

Die Analysen basieren einerseits auf Individualdaten einer Bevölkerungsstichprobe von knapp 1.200 Probanden mit und ohne krimineller Erfahrung und andererseits auf einem insgesamt 25 Jahre umfassenden aggregierten Paneldatensatz mit Daten aus den westdeutschen Bundesländern. Das Ergebnis: Das häufige Zusammenfallen von fehlendem Hauptschulabschluss und kriminellem Verhalten sei kein Zufall. Unzureichende Bildung sei eine der Ursachen für Straffälligkeit und Kriminalität. Die Studie zeige zudem, dass natürlich auch andere Faktoren wie beispielsweise Vorstrafen im Elternhaus eine Rolle für kriminelles Verhalten spielen. Aber: Anders als bei der Bildung kann die Gesellschaft aber auf diese Faktoren kaum Einfluss nehmen.

Schlussfolgerungen

Maßnahmen, die den Anteil an Jugendlichen ohne Schulabschluss halbieren, könnten Opfern und Angehörigen vielfaches persönliches Leid ersparen. Das Zusammenleben würde friedlicher und sicherer. Der Gesellschaft blieben aber auch enorme Folgekosten durch Kriminalität erspart: Laut konservativer Berechnungen der Forscher machen diese Folgekosten rund 1,42 Milliarden Euro pro Jahr aus. Von verbesserten Bildungschancen würden die drei Stadtstaaten Bremen, Hamburg und Berlin am stärksten profitieren: Sie haben aktuell die höchsten Kosten für Kriminalität pro Einwohner. Aber auch in den anderen Bundesländern ergäben sich deutliche Einsparungen, so die Studie.

"Unser Bildungssystem lässt viel zu viele Schüler scheitern", so Jörg Dräger, für Bildung zuständiges Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung. "Das hat für die ganze Gesellschaft dramatische Folgen, zum Beispiel mehr Kriminalität, hohe Transferzahlungen oder soziale Konflikte." Jugendliche brauchen eine Perspektive für ihr weiteres Leben. Aufgabe der Bildungspolitik muss es sein, allen Jugendlichen die Möglichkeit zu einem erfolgreichen Berufsleben und zur sozialen Teilhabe in der Gesellschaft zu eröffnen, so Dräger: "Wir dürfen Schulabgänger ohne Abschluss nicht stigmatisieren, wir müssen ihnen helfen."

Dräger sieht nach dem Schulabschluss die Berufsausbildung "als weiteren entscheidenden Schritt zu fairen Bildungschancen: Jeder Jugendliche sollte das Recht auf einen Ausbildungsplatz, aber auch die Verpflichtung zu einem Berufsabschluss haben." Erst dadurch werde die Perspektivlosigkeit vieler junger Menschen überwunden. (red)