Graz - Im Grazer Straflandesgericht ist am Donnerstagabend eine Hebamme zu einer Geldstrafe von 7.200 Euro verurteilt worden. Sie soll im Februar 2009 fahrlässig den Tod eines Babys während einer Hausgeburt verschuldet haben. Laut Gutachter erstickte das Kind, weil der Brustkorb zu lange eingeklemmt war. Die Frau hatte sich in dem Prozess nicht schuldig bekannt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Der Prozess begann bereits am 15. September 2009 und zog sich wegen diverser Gutachten so lange hin. Die Hebamme fühlte sich in keiner Weise schuldig. Sie betreute die 38-jährige Oststeirerin bei der problematischen Hausgeburt, von der Ärzte wegen eines vorangegangenen Kaiserschnitts abgeraten hatten. Als das Kind steckenblieb, soll die Angeklagte laut Gutachter "überstürzte Manöver" durchgeführt und Fehlentscheidungen getroffen haben. Das kleine Mädchen starb schließlich während der Geburt.

Die Mutter hatte als Zeugin geschildert, wie sehr sie durch die Kaiserschnittgeburt ihres ersten Kindes in einem Krankenhaus traumatisiert worden war. Als sie zwei Jahre danach ihr zweites Kind erwartete, wollte sie eine Hausgeburt. Wegen des vorhergegangenen Kaiserschnitts galt diese Variante aber als risikoreich. "Die Ärzte haben abgeraten, die Hebammen waren positiv eingestellt", so die Zeugin. "Wenn man das Wort Hausgeburt nur sagt, wird in jedem Krankenhaus das Gesicht verzogen", meinte die Frau. Sie habe daher entschieden, dass die Hebamme bestimmen sollte, wann eine Überstellung ins Spital nötig sei.

Nach Expertise des Gerichtsmediziners Peter Leinzinger blieb das Baby während des Geburtsvorganges mit dem Brustkorb stecken und erstickte. "Es war ein rein mechanisches Ereignis", so Leinzinger. (APA)