Hat sie oder hat sie nicht gut verhandelt? Diese Frage wird Maria Vassilakou spätestens am Sonntag beantworten müssen, wenn sie sich mitsamt dem rot-grünen Koalitionspakt ihren Gremien stellt. Die können, das weiß man von den schwarz-grünen Verhandlungen 2002, die schönsten Regierungspläne ihrer Parteispitze kippen.

Wahrscheinlich ist das diesmal nicht. Von Beginn an befürwortete eine breite Basis der Wiener Grünen die Regierungsgespräche mit der SPÖ. Dabei ließ man Maria Vassilakou weitgehend freie Hand, wohl auch aus schlechtem Gewissen wegen der Querelen vor der Wahl.

Herausgekommen ist ein Pakt mit interessanten Herausforderungen, aber auch großen Stolpersteinen: Bei Bildung und Integration war man sich mit der SPÖ bald einig - es wird sich zeigen, ob großen Absichtserklärungen auch konkrete Reformen folgen. Mit dem Planungsressort bekommt Vassilakou die Chance zu zeigen, was nachhaltige, moderne und ökologische Stadtentwicklung sein kann. Freilich hat die grüne Frontfrau damit auch Projekte am Hals, die unter roter Ägide nicht gerade glänzend gelaufen sind: etwa den neuen Hauptbahnhof ohne U-Bahn-Anschluss.

Dazu kommt noch Erklärungsbedarf in Sachen Wahlversprechen: Im Wahlkampf forderten die Grünen noch vollmundig Ein-Euro-Tickets für die Öffis und die Senkung der Mieten. Das wird so nicht passieren. Und das wird Vassilakou nicht nur parteiintern gut begründen müssen. (Petra Stuiber, DER STANDARD, Printausgabe, 12.11.2010)