Frankfurt/Main - Eine der heißesten Phasen der jüngeren Erdvergangenheit macht Hoffnung für die Zukunft: das Paläozän/Eozän-Temperaturmaximum. Zwischen 56 und 55 Millionen Jahren vor unserer Zeit stiegen die Durchschnittstemperaturen um nicht weniger als fünf Grad an und lagen damit um drei bis fünf Grad über den heutigen Werten. Die Wärmephase dauerte rund 200.000 Jahre an, der Kohlendioxid-Gehalt in der Atmosphäre stieg innerhalb von nur 10.000 Jahren um mehr als das Doppelte.

Die allgemeine Erwärmung begünstigte das Leben in den kälteren Regionen der Erde - offenbar kamen aber auch die zuvor schon heißen Tropen mit der zusätzlichen Erwärmung besser zurecht, als man gedacht hätte. Auf entsprechende Forschungsergebnisse beruft sich die Goethe-Universität in Frankfurt am Main - demnach hätte die pflanzliche Artenvielfalt am Äquator im fraglichen Zeitraum sogar zugenommen. In der Mitteilung vom Freitag bezog sich die Hochschule auf wissenschaftliche Arbeiten aus Panama, an denen auch eine jetzige Doktorandin der Frankfurter Uni mitgewirkt hat.

Neues Wissen vom Äquator

Geowissenschafter der Frankfurter Universität und des Smithsonian Tropenforschungsinstituts in Panama haben den Angaben zufolge kürzlich Bohrmaterial und Sedimentseinschlüsse aus Venezuela und Kolumbien untersucht und festgestellt, dass die Biodiversität in dieser Zeit stark zugenommen habe. Vieles spreche dafür, dass sich der Regenwald während der warmen Phase gut entwickelt habe. Auch gebe es Anhaltspunkte dafür, dass die Feuchtigkeit nicht wesentlich abgenommen habe.

"Dies ist eine der ersten Studien an Material, das aus der Nähe des Äquators stammt", erläutert Jörg Pross, Paläoklimatologe am Institut für Geowissenschaften der Goethe-Universität die Bedeutung der Ergebnisse. Bisherige Analysen bezogen sich vor allem auf Proben aus kühleren Regionen.

Die Anpassungsfähigkeit der damaligen Flora nährt die Hoffnung darauf, dass das irdische Biom auch die aktuelle rasche Erwärmung besser verkraften wird als befürchtet. Um durch einen Rückblick in die Erdgeschichte zu prognostizieren, wie der Regenwald auf das zu erwartende feucht-heiße Klima reagieren werde, müsse man jedoch noch Material aus tropischen Regionen untersuchen, hob die Universität hervor.  (APA/red)