Washington - US-Außenminister Colin Powell hat das Pentagon aufgefordert, schneller über die Freilassung der in Guantanamo gefangen gehaltenen Terrorverdächtigen zu entscheiden. In einem scharf formulierten Schreiben an Verteidigungsminister Donald Rumsfeld habe Powell am 14. April die fortdauernde Inhaftierung von rund 660 Verdächtigen aus 42 Ländern in Frage gestellt, verlautete am Samstag aus dem Verteidigungsministerium. Powell habe deutlich gemacht, dass er vom Pentagon eine rasche Entscheidung darüber erwarte, welche Gefangenen frei gelassen werden könnten.

Seit Einrichtung des Lagers auf dem US-Stützpunkt Guantanamo auf Kuba im Januar 2002 wurden lediglich 22 Fälle bekannt, in denen Gefangene freigelassen wurden. Unter den Freigelassenen befanden sich ein psychischer Kranker und ein über 70-Jähriger. Die Gefangenen werden verdächtigt, Verbindungen zur Organisation El Kaida von Osama bin Laden oder den afghanischen Taliban zu haben. Bisher wurde keine Anklage erhoben, sie haben keine Rechtsanwälte. Unter den Festgehaltenen sind auch mehrere Jugendliche im Alter von 13 bis 16 Jahren. Das Pentagon hat genaue Angaben über die Zahl der Gefangenen, deren Namen und weitere Einzelheiten abgelehnt.

Nach einem Bericht der Zeitschrift "U.S. News and World Report" schrieb Powell in seinem Brief, ein falscher Umgang mit den Gefangenen untergrabe die Bemühungen, im Kampf gegen den Terrorismus internationale Unterstützung zu gewinnen. Der Minister habe sich dabei auf Beschwerden von acht Verbündeten bezogen, von denen Bürger in Guantanamo einsitzen. Powell habe Rumsfeld gefragt, warum es so lange dauere, bis eine endgültige Entscheidung über das Schicksal der Gefangenen getroffen werde. Rumsfeld habe später zugestimmt, die Freilassung von rund 100 Staatsangehörigen von Großbritannien, Russland, Pakistan und Spanien zu beschleunigen.

Pentagon-Sprecher Bryan Whitman lehnte es ab, den Briefwechsel zu bestätigen und erklärte, von einer Vereinbarung über eine Freilassung wisse er nichts. Rumsfeld hat angekündigt, die Gefangenen würden so lange auf Guantanamo bleiben, bis feststehe, dass sie keine Gefahr darstellten und die Ermittler sicher seien, dass sie keine nützlichen Informationen mehr geben könnten. Menschenrechtsorganisationen haben den Umgang mit den Gefangenen auf Guantanamo wiederholt kritisiert. (APA/AP)