"Horrorexperiment", Schikanen für Autofahrer, „Asyl- und Zuwanderungsparadies". Die FPÖ griff wie zu erwarten tief in die plakative Vorurteilskiste. Die konkreten Auswirkungen von Rot-Grün auf die Stadt kann man entspannt einmal abwarten und an den Taten messen.

Die große Trübung bei der Bildung dieser Rathauskoalition ist vielmehr der Umgang der Wiener Grünen mit der Causa Van der Bellen. Noch im Wahlkampf wurde frisch-fröhlich auf den FP-Kandidaten Heinz-Christian Strache hingeprügelt: Jede Stimme für ihn sei verschenkt, der werde doch eh keinen Schritt ins Rathaus setzen. Und jetzt? Alexander Van der Bellen ging auf die Zukunft seiner Person bei der Landesversammlung am Sonntag nur kurz und locker-humorig ein: Seine neue Funktion als Wiener Uni-Beauftragter biete eine gute Möglichkeit, der "Wut" über die Vorgänge im Bund Ausdruck zu verleihen.

Kein Wort dazu, dass er mit seiner Kandidatur einen Oppositionsrekord an Vorzugsstimmen ermöglicht hatte - und dass der so ausgedrückte Wählerwille nun schlicht verpufft. Wie passt das mit den basisdemokratischen Prinzipien der Grünen zusammen? Basisdemokratie auf Landesversammlungen - aber nicht für die Wähler?

Dass eine traditionelle Oppositionspartei sich beim Schritt in eine Regierungsverantwortung notgedrungen verändern muss, ist normal. Die Wiener Grünen sind hier in dieser Hinsicht deutlich gestolpert. (Roman David-Freihsl /DER STANDARD Printausgabe, 15.11.2010)