Innsbruck - "Für uns stimmen die Vorwürfe nicht", sagt die Sprecherin der Elterngruppe "Pro Reha-Stätte Bánffy", Ulrike Hitthaler-Nosko. Das Land Tirol hat dem Betreuungszentrum für autistische und wahrnehmungsgestörte Kinder in Innsbruck, der "Reha-Stätte DDr. Bánffy", Ende Oktober die Eignung entzogen. Ausschlaggebend war, dass schwere Vorwürfe über "äußerst groben Umgang" mit den dort behandelten Kindern erhoben wurden.

Eine behördliche Kontrolle erhärtete die Vorwürfe, Soziallandesrat Gerhard Reheis (SP) handelte umgehend: Mit November erloschen die Tarifvereinbarungen für Heilbehandlungen mit dem Land Tirol. Diese können mit dem Land nicht mehr verrechnet werden. Davor zahlten die Eltern pro Tag einen Selbstbehalt von vier Euro.

Eltern verteidigen Leiterin

Die Misshandlungen hätten nie stattgefunden, erklären die Eltern nun. Eszter Bánffy, die Leiterin der Reha-Einrichtung, sei zwar eine "schwierige" Person, sei "konsequent und streng". "Aber was sie sagt, stimmt. Auch wenn man es nicht hören will", sagt Hitthaler-Nosko. Die Elternvertreter vermuten den Rachefeldzug einer Studentin. Wegen zu vieler Fehlstunden soll diese keinen Praktikumsnachweis von der Reha-Leiterin bekommen haben.

Ermittelt werde wegen des Verdachts des Quälens und Vernachlässigens unmündiger, jüngerer oder wehrloser Personen, erläutert unterdessen der Sprecher der Staatsanwaltschaft Innsbruck, Hansjörg Mayr. Betreuer hätten sich an die Jugendanwältin gewandt, die Meldungen seien authentisch gewesen, also sei eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft geschickt worden. Mittlerweile sei auch das Landeskriminalamt mit Ermittlungen beauftragt worden.

Die Eltern wollen jetzt ein neues Konzept für die Reha-Stätte vorlegen. "Von Fachleuten", sagt Hitthaler-Nosko: Denn es sei in der Tat schwierig, mit autistischen Kindern zu leben. Nicht nur Eltern, auch Geschwister würden unter deren Wutausbrüchen leiden. Die Bánffy-Reha-Stätte sei die einzige, die Therapie über den ganzen Tag verteilt anbiete.

An Behandlungsmethoden in der Reha-Einrichtung war schon vor zwölf Jahren Kritik laut geworden. Das Einwickeln der Kinder in Decken erschien den Eltern zu grob und unmenschlich. Das Einwickeln und rasche wieder Auswickeln sei vielmehr eine therapeutische Methode, damit Kinder "sich spüren", erwidert Hitthaler-Nosko. Zudem fänden es die meisten Kinder lustig. (Verena Langegger/DER STANDARD-Printausgabe, 15.11.2010)