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Unproduktiv sein muss nicht gleich heißen: Schlafen. Aber, 2009 wurden pro Mitarbeiter 91 Tage ohne Leistung verbracht.

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Wien - Die Österreicher lassen gut 41 Prozent der Arbeitszeit unproduktiv verstreichen. Diese Bilanz zieht der Berater Alois Czipin, der 120 Unternehmen daraufhin analysiert hat. 91 Arbeitstage würden damit jährlich verschwendet und ein Lohnsumme von rund 30 Milliarden Euro, rechnet er vor.

Bergab gehe es bereits seit 2007. Damals habe es im Jahr nur 70 verlorene Tage für die Arbeitgeber gegeben. Die Ursachen dafür seien jedenfalls vielfältig, die Schwachstelle liege klar bei den Führungskräften: Der Hebel für höhere Produktivität finde sich im mittleren Management, bei den Teamchefs, Filial- und Schichtleitern.

Hauptauslöser für die aus Sicht Czipins äußerst schwache Performance seien mangelnde Planung und Steuerung. Sie seien für mehr als zwei Drittel der verschluderten Zeit verantwortlich. Probleme von fehlender Arbeitsmoral bis zu ungenügender Mitarbeiterqualifikation wogen da weit leichter. Fehlende Führung und Aufsicht rangierten auf dem zweiten Platz des Sündenregisters des Consulters.

Czipin nahm die Führungskräfte unter die Lupe: Sie verbrachten fast die Hälfte ihrer Arbeitszeit mit reiner Administration, beklagt er. Viele wüssten nicht, was man von ihnen erwarte, flüchteten geradezu hinter ihre Computer, Statistiken und Schattenbuchhaltung.

Für proaktive Führung der Beschäftigten würden lediglich fünf Prozent der Zeit aufgewendet, und 13 Prozent um akute Probleme aus dem Weg zu räumen. Eine um bis zu 15 Prozentpunkte höhere Produktivität sei in Österreich jedoch durchaus drinnen, glaubt er. Das würde acht bis zwölf Mrd. Euro bringen. Vorreiter sei etwa Hofer: Der Diskonter klopfe jeden Handgriff auf Produktivität ab. (vk, DER STANDARD, Printausgabe, 17.11.2010)