Washington - US-Außenminister Colin Powell hat Syrien mit Konsequenzen gedroht, falls es seinen Einfluss im Nahen Osten nach dem Sturz der irakischen Regierung nicht "konstruktiv" nutzt. Es gehe dabei vor allem um die Kontrolle der irakischen Grenze und um die Schließung von Büros palästinensischer Organisationen in Damaskus, sagte Powell am Sonntag dem US-Fernsehsender CBS. "Im Hintergrund warten Konsequenzen", bekräftigte der Chefdiplomat. Die US-Regierung erwarte nun ein "geändertes Verhalten" der syrischen Regierung, ergänzte Powell im Sender ABC. Der amerikanische Kongress habe bereits ein Gesetz in Vorbereitung, dass Sanktionen gegen Damaskus erlaube, falls Präsident Bashar Assad sich "unkooperativ" verhalte.

Vorteile bei gemäßigter Haltung versprochen

Solle Syrien eine gemäßigte Haltung in Fragen der Regionalpolitik einnehmen, gebe es Vorteile für das Land, sagte Powell weiter. Die Vereinigten Staaten strebten eine "umfassende Lösung" aller Probleme im Nahen Osten an, nicht nur des Konfliktes zwischen Israelis und Palästinensern. Auch syrische und libanesische Interessen seien dabei berührt.

Powell hatte am Samstag als erster US-Minister seit Beginn des Irak-Kriegs Syrien besucht und war dabei mit Assad zusammengetroffen. Die ohnehin angespannten Beziehungen der USA zu Syrien hatten sich in den vergangenen Wochen erheblich verschlechtert. Washington wirft Damaskus unter anderem den Besitz von Massenvernichtungswaffen sowie Fluchthilfe für Mitglieder der entmachteten irakischen Regierung vor. Washington übt zudem wachsenden Druck auf Damaskus wegen der Unterstützung radikaler Palästinenser-Gruppen und der libanesischen Hisbollah-Miliz aus. Seit Jahren zählen die USA Syrien zu den Ländern, die den internationalen Terrorismus unterstützen.(APA)