Die von Kardinal Christoph Schönborn eingesetzte Opferanwaltschaft hat mittlerweile 58 Entschädigungszahlungen beschlossen. Dies teilte die Kommission unter der Leitung von Waltraud Klasnic nach ihrer insgesamt elften Sitzung am Dienstag mit. Bis Mitte November haben sich den Angaben zufolge 652 Betroffene gemeldet. Vonseiten der österreichischen Orden wurde am Dienstag die Zusammenarbeit mit der Kommission sowie der kirchlichen Opferschutzstiftung unterstrichen.

Beträge will Komissionssprecher Herwig Hösele vorerst nicht konkretisieren: Erst bei einer größeren Fallzahl, die "an die 100 gehen muss", könne man eine aussagekräftige Statistik über die Höhe der Entschädigungszahlen machen, sagte er. Allerdings beträfen auch die in der Sitzung am Dienstag beschlossenen 19 Entschädigungen wieder "alle vier Kategorien". Diese sind aufgeteilt in Entschädigungssummen von 5.000 Euro, 15.000 Euro, 25.000 Euro und Beträgen darüber.

Klasnic rief Betroffene einmal mehr dazu auf, "möglichst bis Jahresende" mit der Kommission Kontakt aufzunehmen. Zugleich ersuchte sie "in dem einen oder anderen Fall um ein wenig Geduld", denn man sei zwar bemüht, so rasch als möglich zu handeln, jedes Schicksal sei aber individuell zu bewerten.

"In ausreichendem Maß mit Mitteln dotiert"

Die österreichischen Orden betonten indes am Dienstag ihr Bemühen darum, Missbrauchsfälle in den eigenen Reihen konsequent aufzuarbeiten. Der Generalsekretär der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften, Erhard Rauch, machte im Gespräch mit "Kathpress" über Höhe und Anzahl von bereits geleisteten Entschädigungszahlungen für Opfer ebenfalls keine Angaben, meinte aber, die Summen dürften "auch wehtun".

Abgewickelt werden die Zahlungen über die kirchliche Opferschutzstiftung, die von der Superiorenkonferenz gemeinsam mit den Diözesen "in ausreichendem Maß mit Mitteln dotiert" werde. Diese Stiftung zahle die von der Klasnic-Kommission vorgeschlagenen Beträge direkt an die Opfer aus. Wenn es sich bei den Tätern um Ordensleute handelt, mache die Superiorenkonferenz auf innerkirchlichem Weg ihre Ansprüche gegenüber dem Täter bzw. der Ordensgemeinschaft geltend, erläuterte Rauch.

Er gab zu, dass es im vergangenen Jahr einen "fundamentalen Umdenkprozess" gegeben habe. Nun stehe "klar der Blick auf die Opfer im Vordergrund". Der Verzicht auf Verjährungsfristen sei hier ebenfalls ein Signal: Zwar seien manche Anschuldigungen nach 40 Jahren nicht mehr detailliert nachprüfbar, dann sei aber im Einzelfall Großzügigkeit angebracht. "Wir gestehen zu, dass etwas passiert ist, was nicht hätte passieren dürfen, auch wenn es nicht mehr genau feststellbar ist." Durch die "Missbrauchskrise" hätten die Orden auch höhere Anforderungskriterien an neue Mitglieder formuliert. (APA)