Wien - Der Krisenherd des Mischkonzerns A-Tec Industries, die Anlagenbausparte Austrian Energy & Environment (AE&E), bekommt eine weitere Galgenfrist. Denn aus dem von den Banken am Montag ultimativ verlangten Blitzverkauf um einen Euro an Mass Financial Corp. dürfte doch nichts werden.

Der Hongkonger Finanzinvestor habe die am Montagabend von der Gläubigerversammlung verlangten Schutzklauseln - Nachbesserungen beim Kaufpreis falls Austrian Energy oder Teile davon vor dem 31. Dezember 2012 verkauft wird - nicht akzeptiert, hieß es nach der Gläubigerausschusssitzung. Diese Schutzklauseln wurden zur Bedingung gemacht, weil die Gläubiger fürchten, dass wohl die mehr als 20 betroffenen Banken ihr Geld über sieben Jahre verteilt zurückbekommen, alle anderen Schuldner "aber durch die Finger schauen", sagte ein Sitzungsteilnehmer. Man könne daher AE&E nicht verschenken.

Nun gilt Plan B: Ein Verkauf des Kraftwerksbauers AE&E an einen strategischen Investor. Der koreanische Doosan-Konzern ist eingeladen, binnen drei Wochen eine vertiefte Unternehmensprüfung durchzuführen. Von einem kurzfristig aufgetauchten dritten Interessenten aus London ("der nicht Andritz heißt"), erwarten Insider ebenso wenig wie von Andritz, die nur an Teilen interessiert sei.

Nun muss AE&E, die am Montag Rechnungen und Abgaben im Volumen von rund 15 Mio. Euro nicht zahlen konnte, die nächsten Tage überstehen. Findet sich nicht bald ein Verwerter, muss die Geschäftsführung des im Prinzip bereits als zahlungsunfähig geltenden Konzerns binnen 60 Tagen Konkursantrag einbringen.

AE&E würde damit ihrer Konzernmutter A-Tec folgen, die sich seit Anfang Oktober in einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung befindet. Insgesamt weist der Konzern 2,2 Milliarden Euro an Passiva aus; eine Milliarde Euro gehen auf das Konto von AE&E.

Zumindest theoretisch wäre Liquidität da - hätte die Hausbank der AE&E Austria GmbH in Raaba bei Graz nicht ein Geschäftskonto mit zwölf Mio. Euro gesperrt. Ventiliert wurde am Dienstag folgende Variante: Doosan könnte die dringend notwendigen 15 Mio. Euro gegen Verpfändung vorstrecken. Was der AE&E-Konzern mit zuletzt 1,8 Mrd. Euro Umsatz und weltweit 5000 Beschäftigten wert sein könnte, soll am Samstag feststehen. Da legt Wirtschaftsprüfer Deloitte sein Bewertungsgutachten für alle Teile von A-Tec vor. Da sollte in Grundzügen auch das Sanierungskonzept von Roland Berger Consultants vorliegen.

Die Rolle der Banken stößt den mit A-Tec- und AE&E-Pleite befassten Anwälten zunehmend sauer auf. Sie haben alle Geldhähne zugedreht und verweigern eine Überbrückungsfinanzierung, weil A-Tec-Firmengründer und Vorstandschef Mirko Kovats nichts einschießt. Laut Firmenbuch gehören zu den AE&E-Hausbanken Raiffeisen Landesbank Steiermark und Raiffeisenlandesbank Oberösterreich. Wunsch-Käufer Mass Financials wiederum unterhält beste Beziehungen zu Raiffeisen, auf RZB-Konten sollen gut 180 Mio. Euro geparkt sein. Letzteres wird im Spitzeninstitut des Sektors "nicht kommentiert". (ung, DER STANDARD, Printausgabe, 17.11.2010)