"Die wissen nicht, was sie tun!" Alexander Van der Bellen richtet in seiner neuen Funktion als Sonderbeauftragter der Stadt Wien für Universitäts- und Wissenschaftsangelegenheiten deutliche Worte an Wissenschaftsministerin Beatrix Karl und Finanzminister Josef Pröll. Durch die budgetären Einsparungen im Bereich der Wissenschaft drohe Österreich "ein Kahlschlag erster Klasse" und die "intellektuelle Isolierung" und "Verzwergung" des Landes würde damit in einem "atemberaubenden Tempo" fortgesetzt.

Trotz seiner Kritik an der ÖVP, schließt der Grüne Nationalratsabgeordnete im Video-Interview mit Hans Rauscher auch Schwarz-Grün auf Bundesebene nicht aus, auch wenn man mit einer Innenministerin Fekter größte Hemmungen habe, diese Frage mit Ja zu beantworten. Voraussetzung sei eine gewisse Anpassungsbereitschaft von Seiten der ÖVP, die der ehemalige Innenminister Ernst Strasser durchklingen hat lassen, als er einmal ganz offen gemeint hatte, dass er eine andere Politik gemacht hätte, wenn er statt für Schwarz-Blau für Schwarz-Grün gearbeitet hätte.

Van der Bellen erklärt im Gespräch auch, warum für ihn die Aussagen des türkischen Botschafters "erfrischend" und die Reaktionen der Regierung "unsäglich" waren, weshalb er strikt gegen Assimilation ist, was für ihn der Wiener Vertrag, den die rot-grüne Stadtregierung für Neuzuwanderer abschließen will, beinhalten sollte, und warum er trotz seiner vielen Vorzugsstimmen nun doch nicht in den Wiener Gemeinderat einzieht. (rasch, derStandard.at, 17.11.2010)