Wien - Katrina Daschner erhält den 30. Otto-Mauer-Preis der Erzdiözese Wien. Die mit 11.000 Euro dotierte Auszeichnung wird an Bildende Künstler unter 40 Jahren für ihr bisheriges Lebenswerk verliehen. Die in Wien lebende Daschner erhält die Ehrung am 30. November um 19.30 Uhr aus den Händen von Bischof Egon Kapellari im Erzbischöflichen Palais. Somit wird der Otto-Mauer-Preis erstmals an eine Künstlerin vergeben, deren Arbeitsschwerpunkt auf performativen Ausdrucksformen liegt.

Das Werk

Die Jury würdigt an der 1973 in Hamburg geborenen Daschner, dass ihre Arbeit die Fortführung der performativen, insbesondere feministischen Tendenzen in Österreich sei, die seit den 1960er Jahren die Kunst maßgeblich geprägt haben. "Ihre 'Stücke' handeln von Sexualität, Fantasien und Begehren, die sie gegen den Strich von Alltagsnormen und Wahrnehmungskonventionen liest und inszeniert", so die Jury-Begründung. Beispielsweise deutete Daschner 2005 in ihrer Arbeit "Dolores" Vladimir Nabokovs "Lolita" neu, indem sie einen Perspektivenwechsel vollzieht und die Ich-Erzählung auf die Figur der Dolores verlagert, weg vom männlichen Blick.

Daschner arbeitet an der Schnittstelle theatraler Handlungen und Bildender Kunst. Dabei tritt sie vielfach selbst als Protagonistin ihrer Videos und Installationen in Erscheinung. Zugleich war die in Wien lebende Daschner auch als Musikerin aktiv und spielte bis 2008 in der Performanceband "SV Damenkraft" oder betrieb mit Johanna Kirsch und Stefanie Seibold den Performance-Space-Salon "Lady Chutney". Überdies unterrichtete sie in den vergangenen fünf Jahren an der Akademie der bildenden Künste Performance.

Termine

Passend zur Preisverleihung präsentiert Daschner vom 3. Dezember bis 16. Jänner 2011 im Jesuiten-Foyer unter dem Titel "Daschner - ein Dialog" ausgewählte Arbeiten. Ebenfalls zu sehen ist ein Teil des Daschner'schen Oeuvres in der Gruppenausstellung "Crossing Limits. Art in Urban Transitions", die im Rahmen der laufende "Vienna Art Week" von 16. bis 21. November unter anderem in der Wiener Galerie Lust stattfindet.

Das erste Mal wurde der Otto-Mauer-Preis 1981 vergeben, wobei der dazugehörige Fonds unter anderen von Kardinal Franz König eingerichtet wurde. Die Jury wechselt jährlich und setzt sich meist aus KunsthistorikerInnen und -kritikerInnen bzw. KünstlerInnen zusammen. Unter den bisherigen PreisträgerInnen finden sich Namen wie Franz West (1986), Brigitte Kowanz (1989) und Heimo Zobernig (1993). Im Vorjahr ging die Auszeichnung an Siggi Hofer.

Abseits der jährlichen Preisvergabe fließen die meisten Mittel des Otto-Mauer-Fonds in die Förderung aktueller Kulturprojekte wie die Revitalisierung der Zacherlfabrik, Orgelkonzerte oder das Filmprojekt "movie-it", das Kommunikationsmöglichkeiten zwischen AutistInnen und Nicht-AutistInnen bieten will. (APA)