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Schlafen ist gratis, alles andere kostet: US-Pensionisten häufen Schulden über ihre Kreditkarten an, ohne sich um die Zukunft zu sorgen.

Foto: EPA

Ein Generationenkonflikt der anderen Art könnte sich in den USA anbahnen: Amerikaner im Ruhestand lassen ihre Kreditkarten glühen. Das alleine ist jetzt nicht so bemerkenswert. Einer aktuellen Studie zufolge machen sich aber gut 40 Prozent der pensionierten Kreditkartennutzer gar keinen Kopf darüber, ob sie ihre Schulden noch vor ihrem Ableben bezahlen werden, heißt es in einem Bericht des US-Fernsehsenders CNBC.

Viele hätten sich nicht genug ansparen können für den goldenen Herbst des Lebens, oder auch den zweiten oder dritten Frühling. In den Ruhestand seien sie aber dennoch getreten. Mehr als die Hälfte der in der Studie befragten Amerikaner habe weniger als 50.000 Dollar angespart, eine nicht genauer definierte Anzahl habe gar nichts auf der hohen Kante. Nur vier Prozent der Befragten hätten ihren Ruhestand wegen Schulden zeitlich nach hinten verschoben.

Kein Problem in Europa

In Europa gebe es dieses Problem nicht wirklich, heißt es von der österreichischen card complete auf Anfrage von derStandard.at. In den USA sei die Praxis des "revolving credits" sehr weit verbreitet, da Banken kaum Überziehungsrahmen bei Konten gewähren. Unter "revolving credits" versteht man Kreditkarten, die ausschließlich im Minus geführt werden, über die tatsächlich Kredite vergeben werden. "In den USA kann man sogar eine Firma mit einer Kreditkarte gründen", erklärt ein Sprecher von card complete weiter.

In Österreich und auch im Rest Europas hingegen seien sogenannte "charge cards" gängig. Hinter jeder Kreditkarte liegt ein Giro-Konto, das quasi die Ausgaben besichert. Über eine monatliche Umsatzabbuchung wird die Kreditkarte damit immer wieder auf Null gebracht. Damit könne der "Generationenkonflikt", wie er in den USA ansteht, wohl kaum auf Österreich überschwappen.

Wofür nun die freigiebigen US-Senioren ihre Kreditkarten zücken, hat weniger etwas mit Lust und Freude als mit Notwendigkeit zu tun. So gaben mehr als 75 Prozent der Befragten an, dass sie sich in erster Linie mit Medizin- und Begräbniskosten in Schulden stürzten. (rom, derStandard.at, 19.11.2010)