Peking - Der ehemalige Chef von Chinas militärischen und zivilen Atomprogrammen, Kang Rixin, ist in einem Korruptionsprozess zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, ordnete das Pekinger Gericht am Freitag zudem die Beschlagnahmung von Kangs gesamtem Besitz an. Der 57-jährige frühere Generaldirektor des Staatsunternehmens "China National Nuclear Corporation" (CNNC) mit Ministerrang hatte laut Urteil zwischen 2004 und 2009 Bestechungsgelder in Höhe von 6,6 Millionen Yuan Renminbi (727.000 Euro) kassiert. CNNC unterstehen die militärischen und zivilen Atomprogramme Chinas, der Staatskonzern ist sowohl für die Produktion von Atomwaffen als auch für Atomkraftwerke und Atommüll zuständig.

Der Fall ist von besonderer Brisanz, weil Kang Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas und Parteisekretär in dem von ihm geleiteten Staatsunternehmen war. Nach Angaben des Magazins "Caijing" soll der hochqualifizierte Ingenieur und Absolvent der Parteihochschule außerdem ab 2002 der Zentralen Disziplin-Inspektionskommission angehört haben, die als Antikorruptionsorgan der Partei fungiert. Kang hatte im Vorjahr seinen Sitz im (knapp über 200 Mitglieder zählenden) ZK verloren. Anschließend wurde er auch aus der Partei ausgeschlossen. Nach westlichen Medienberichten soll er mehrere Millionen US-Dollar vom französischen Nuklearkonzern Areva bekommen haben.

Bestechungsgelder angeboten

Der Ex-CNNC-Chef ist der prominenteste wegen Korruption Verurteilte nach dem ehemaligen Chef der Abteilung für Bekämpfung von Wirtschaftsverbrechen im chinesischen Staatssicherheitsministerium, Zheng Shaodong, der Bestechungsgelder in Höhe von umgerechnet fast einer Million Euro von dem Unternehmer Huang Guangyu angenommen haben soll, welcher als einer reichsten Männer Chinas galt und derzeit im Gefängnis sitzt. Wegen Unterschlagung und Bestechlichkeit war im März ein früherer Richter des Obersten Gerichtshofes zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

In der Volksrepublik sind in den vergangenen Jahren Zehntausende Beamte und Parteikader wegen Korruption verurteilt worden. Höhere Beamte und Manager in staatlichen Betrieben ihr Vermögen detailliert offenlegen. Damit unrechtmäßig erworbenes Eigentum nicht auf Familienmitglieder überschrieben werden kann, müssen auch Ehepartner, Kinder und andere enge Familienmitglieder ihre Finanzsituation untersuchen lassen.

2005 war eine Säuberungswelle in der chinesischen KP angelaufen. Staats-und Parteichef Hu Jintao hatte "strenge Strafen gegen korrupte Elemente" gefordert. Die Partei hatte neue Vorschriften für die Korruptionsbekämpfung in den eigenen Reihen und in der Staatsverwaltung erlassen und damit den Misserfolg bisheriger Massenkampagnen eingestanden. Auch in der Armee wurde eine Kampagne gegen Bestechung und Ausschweifungen eingeleitet. (APA)