Was ist nur mit der Integration los? Da müht sich eine ab und dann ist keine Rede mehr davon. Widmen wir unsere Aufmerksamkeit also der Wiener Stadträtin Sandra Frauenberger. Wir haben die Frau, die die Integrationsagenden in der Bundeshauptstadt in Händen hält, glatt vergessen, als wir die neue Stadtregierung anlässlich der Rot-Grün-Unterschriftenzeremonie im Rathaus vorstellten. Das war keine böse Absicht. Da wir nun wochenlang in einer eigenen Serie über Integrationsfragen berichten, ist das Thema in diesem Zusammenhang als oft besprochen und somit eine nicht besonders herauszustellende Selbstverständlichkeit betrachtet worden – überintegriert gewissermaßen.

Überhaupt sind in der vergangenen Woche die Frauen ein wenig zu kurz gekommen. Der offene Protestbrief, den prominente ORF-Journalisten und -Journalistinnen an den Stiftungsrat geschrieben haben, wurde ja auch von etlichen prominenten Journalistinnen unterzeichnet. Die Damen wurden von uns zwar genannt, in der Präsentation behandelten wir die Kolleginnen jedoch etwas stiefmütterlich. Brigitte Handlos, Ressortleiterin der ZiB-Chronik, Claudia Neuhauser, Leiterin des Weltjournals, und Andrea Puschl, Leiterin der Thema-Redaktion, seien hier also als Kämpferinnen für einen vom Parteieneinfluss befreiten ORF noch einmal gewürdigt.

Eine Zeitreise

An anderer Stelle haben wir zu viel geliefert, konkret ein „t“. Wir würdigten eine Fernsehserie, in der mittelalterliche Architekturgeschichte beschrieben wird, der Wandel „von der Romantik zur Gotik“. Die Romantik hat sich wohl eingeschlichen, weil der im Film gezeigte Baumeister nach Ansicht des Autors gelegentlich richtig ins Schwärmen kommen kann. Die Überdosis Gefühl hat auf eine falsche Fährte gelockt. Lassen wir die Leidenschaft einmal beiseite: Architekturgeschichtlich lag vor der Gotik die Romanik (etwa 1000 bis 1200), die Romantik kam erst viel später.

Worum in diesen Tagen nicht Zeitungsmacher, nicht Leser noch Leserin herumkommen, ist die Schuldenkrise. Ein wenig schwang vielleicht der Überdruss an den ewigen Krisenmeldungen mit, wenn wir über Portugal informierten: „Am Mittwoch trudelten schon einmal jede Menge schlechter Nachrichten aus Porto ein.“ Gewöhnlich wird das Unglück ja in Lissabon besungen, in den dortigen Fado-Lokalen. Porto war nur ein Stichwort, mit dem der Artikel vor der Bearbeitung markiert werden sollte. Immerhin gibt es aber auch eine Stadt dieses Namens in Portugal. Nehmen wir es als versteckten Krisenlösungsvorschlag: Man wünsche sich in die Stadt des Portweins und genieße das Wochenende nach dem Motto „Verkaufts mei G’wand, I foa in Himmel“. (Otto Ranftl, Leserbeauftragter, DER STANDARD, Printausgabe, 20.11.2010)