Das Motto ist ebenso kurz wie selbstbewusst: "Auftrag: Grün" heißt es am Wochenende in Freiburg (Baden-Württemberg), wo die deutschen Grünen ihren Parteitag abhalten. Blickt man auf die Umfragewerte der Ökopartei, so könnte das Treffen ein ziemlicher Jubelparteitag werden.

In Baden-Württemberg, wo Ende März gewählt wird, liegen die Grünen in Umfragen dank ihres Protest-Engagements gegen den geplanten Superbahnhof "Stuttgart 21" an erster Stelle. In Berlin will Fraktionschefin Renate Künast in einem Jahr bei der Wahl Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) direkt herausfordern und ablösen. Auf Bundesebene werden die Grünen schon einige Prozentpunkte vor der SPD gesehen, der Spiegel hat sie gerade zur neuen Volkspartei ausgerufen.

Doch Grünen-Chefin Claudia Roth, die sich ebenso wie Cem Özdemir, der Wiederwahl stellt, wiegelt ab: "Wir werden fleißig arbeiten. Das wird kein Wellness-Wochenende." Mit allerlei Beschlüssen (mehr Geld für Kommunen, Senkung der Krankenkassenbeiträge) will die Partei ihr Profil für das Superwahljahr 2011 (sechs Landtagswahlen) schärfen.

Energiepolitik im Mittelpunkt

Auf keinen Fall will man den Fehler der FDPwiederholen. Diese hatte in den vergangenen Jahren fast nur noch mit dem Thema Steuersenkung beschäftigt. Die Grünen wollen keine monothematische Bewegung sein. Dennoch befassen sie sich am Parteitag natürlich auch mit dem grünen Ur-Thema Energie. Doch ausgerechnet hier droht Dissens. Der Bundesvorstand möchte sich dafür einsetzen, dass es in Deutschland zu einer ergebnisoffenen Suche für ein Atommüll-Endlager kommt. Eine Gruppe von einflussreichen Delegierten macht sich hingegen dafür stark, das derzeitige Zwischenlager Gorleben als Standort für ein Endlager auszuschließen.

Sorge hat die Parteispitze auch, dass ein Antrag angenommen wird, der die Abkehr von der Rente mit 67 vorsieht - dass also verlangt, dass das Pensionsantrittsalter wieder auf 65 Jahre gesenkt wird. Dies wäre in den Augen der Parteiführung ein Rückschritt in oppositionelles Denken. (Birgit Baumann aus Berlin/DER STANDARD, Printausgabe, 20.11.2010)