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Sebastian Vettel

Foto: Gero Breloer/AP/dapd

So erhebend es für uns ist, dass "wir" - und wenn wir hier "wir" schreiben, dann meinen wir auch "wir" - wieder einmal einen Weltmeister haben, so bedauerlich ist es für andere. Denn es konnte nicht ausbleiben, dass der Vertreiber eines siamesischen Almdudlers als Kontrastmittel zum österreichischen Durchschnittspolitiker herhalten muss, was nicht nur an Josef Prölls Budget liegt, sondern auch am Fahrstil eines epigenetischen Österreichers namens Sebastian Vettel. In "Österreich" verfiel darob noch am Dienstag ein selbsternannter Politikphilosoph auf den Spuren seines Herausgebers ins Denken. Österreich ist ein Land mit zwei Wirklichkeiten. Auf der einen Seite ist es ein Land der Kreativität, der Innovation und der erfolgreichen Visionen (einzige aktuelle Ausnahme der Regel: das A-Tec-Desaster des selbst ernannten Wirtschaftsphilosophen Mirko Kovats. - Auf der anderen Seite das traurige Bild, das unsere Politik bietet: Ob Budget-Gemurkse, ORF-Intrigen oder eine inferiore Personalpolitik - die österreichische Innenpolitik ist geprägt von Ideen- und Mutlosigkeit (Ausnahme der Regel: das rot-grüne Pflänzchen in Wien).

Der schier unüberbrückbare Gegensatz, in dem sich Österreichs zwei Wirklichkeiten manifestieren, hielt den Verfasser der Rubrik Das sagt Österreich nicht davon ab, seinem Kopf den kategorischen Imperativ Politik muss von Mateschitz & Co. lernen entwischen zu lassen. Das allerdings ohne die geringste Hoffnung, irgendeiner der inferioren Murkser wäre in der Lage, der Befehlsform des Boulevards zu entsprechen: Österreichs Unternehmer haben gezeigt, wie man es gegen die Krise schafft. Die Politiker schaffen nur Krisen. Weil es ihnen an Energie, Kraft und Visionen fehlt.

Welche Krisen könnten die Politiker erst schaffen, wenn es ihnen nicht an Energie, Kraft und Visionen fehlte! Gerade selbsternannte Wirtschaftsphilosophen, von denen es in unseren Zeiten neben der einzigen aktuellen Ausnahme genug kaum weniger aktuelle gibt, haben mit ihrer überschäumenden Kreativität Krisen geschaffen, von denen Politiker nur träumen können.

Es ist dann aber "News", das Politikern die Möglichkeit gibt, wenigstens von Mateschitz, ohne Co., zu lernen. Wenn Männer träumen, dann wohl von seinem Leben. Da fühlt man sich als Mann ertappt. Didi Mateschitz liebt schnelle Autos und flotte Flugzeuge, besitzt ein 900-Quadratmeter-Haus in Salzburg und die Trauminsel Laucala in der Südsee. Das kommt alles von den Visionen. Und nicht nur das. Er sieht trotz 66 Lenzen und grauem Haar aus wie ein gut erhaltener Mittfünfziger: sportlich, kantig, ein Selfmade-Man, ein Abenteurer, wie ihn sich Hollywood nicht besser erdenken könnte, erdachte sich Janina Lebiszczak.

Und die Frauen? Verfallen ihm reihenweise, auch wenn Mateschitz, wie er es in einem der seltenen Interview formulierte, kein Fan des Trauscheins ist. Da sind sie wieder, Österreichs zwei Wirklichkeiten: Josef Pröll hat schon Mühe, eine Staatssekretärin aufzureißen, nachdem ihre Vorgängerin der Stadt Wien verfallen ist. Würde ihn deswegen niemand für einen rücksichtslosen Playboy halten, so hat er wenigstens das mit dem Besitzer der Trauminsel Laucala gemein: Trotzdem ist der Multimillionär nicht der rücksichtslose Playboy, für den ihn viele halten.

Beweis: Auch seine anderen Verflossenen, von Buntblättern gern "Bullen-Musen" genannt, versorgt er stets mit Hingabe. Unter einer Voraussetzung: Bloß keine Tussis. Zickige, aufgerüschte Society-Girls mit Aufmerksamkeitsdefizit hoffen vergeblich.

Darunter leidet auch Dominic Heinzl, wie er weiter hinten in "News" bitter beklagte. Österreichs Milliardäre hören sich nicht gerne reden. Manche nur ganz wenig und sehr selten vor der TV-Kamera. Einschränkung: Didi Mateschitz. Der "Red Bull"-Boss spricht überhaupt NIE. Jedenfalls nicht mit aufgerüschten Society-Girls. Keine Interviews, lehnt er alle Anfragen ab.

Dabei gäbe es eine Frage in meinem Fragenkatalog, den ich ihm gerne mal vorlegen würde. Warum? Warum verurteilt sich einer zum Schweigen, der rhetorisch so begabt ist? Wegen rhetorischer Talentlosigkeit verurteilt sich ein österreichischer Politiker noch lange nicht zum Schweigen - wieder diese zwei Wirklichkeiten. Schließlich findet Heinzl doch noch die Erklärung für das ihm unbegreifliche Phänomen. Vielleicht, weil er nicht noch mehr Neider auf den Plan rufen will, die schon gehofft haben: Aber reden kann der Alleskönner wenigstens nicht. Das ist's: nur keinen Neid! (Günter Traxler, DER STANDARD; Printausgabe, 20./21.11.2010)