Die internationale Polizeiorganisation Interpol hat den Eingang eines von der schwedischen Justiz ausgestellten Haftbefehls gegen den Mitbegründer der Enthüllungs-Internetplattform Wikileaks, Julian Assange, wegen des Verdachts auf Vergewaltigung bestätigt. Schweden habe den Haftbefehl mit der Bitte übermittelt, ihn mit einem sogenannten roten Vermerk zur Festnahme des 39-jährigen Australiers zu versehen, teilte Interpol am Samstag in Lyon mit. Über den genauen Inhalt des Vermerks könne Interpol jedoch erst Auskunft geben, wenn Schweden die Polizeiorganisation dazu ermächtigt habe.

Entscheidung

Ein Sprecher der schwedischen Kriminalpolizei hatte zuvor mitgeteilt, dass Informationen über den Fall zusammengetragen und an die Schengen-Staaten und Interpol geschickt worden seien. "Der Staatsanwalt hatte schon entschieden, einen internationalen Haftbefehl auszustellen, wir haben sichergestellt, dass alle Polizeikräfte in der Welt ihn sehen", sagte Tommy Kangasvieri.

Haftbefehl

Ein Gericht in Stockholm hatte am Donnerstag einen Haftbefehl gegen Assange wegen des Verdachts auf Vergewaltigung und sexueller Belästigung von zwei Frauen ausgestellt. Die Ermittlungsleiterin bei der schwedischen Staatsanwaltschaft, Marianne Ny, hatte ihren Antrag damit begründet, dass Assange zu den Vorwürfen befragt werden müsse. Assange hatte diese stets bestritten und von einer Schmutzkampagne gegen ihn und Wikileaks gesprochen. Sein schwedischer Anwalt Björn Hurtig legte am Freitag Einspruch gegen den Haftbefehl ein. Ein Berufungsgericht muss nun darüber entscheiden, ob der Haftbefehl aufrecht erhalten wird. Schwedischen Medienberichten zufolge wird mit einer Entscheidung innerhalb weniger Tage gerechnet.

Geheimdokumente

Assange ist durch die Veröffentlichung Zehntausender Geheimdokumente zu den US-Einsätzen in Afghanistan und im Irak weltbekannt. Wikileaks hatte mit der Veröffentlichung im Juli und im Oktober eine kontroverse Debatte über den Umgang mit geheimen Militärdokumenten angestoßen. Assange wird derzeit in Großbritannien vermutet.(APA/AFP)

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