Rom - Kurz nach dem Streik der italienischen Beschäftigten im Thater-, Konzert- und Filmsektor gegen die Kürzungen der Regierung Berlusconi im Kulturhaushalt am Montag schlägt der Intendant der Mailänder Scala und Musikdirektor der Wiener Festwochen, Stephane Lissner, in mehreren Medien Alarm bezüglich der Entwicklung in Italien: "Die Situation ist besorgniserregend. Privatinvestoren können ein Theater unterstützen, sie können aber unmöglich den Staat ersetzen. Die Scala erhält nur 40 Prozent ihres Budgets vom Staat, das ist ein einmaliger Fall in ganz Europa".Die Scala biete 300 Aufführungen pro Saison für einer halbe Million Zuschauer. Die Premiere von Wagners "Die Walküre" unter der Leitung des Stardirigenten Daniel Barenboim, mit der am 7. Dezember die neue Saison an der Scala eröffnet wird, sei längst ausverkauft und soll vom Fernsehen in unzähligen Ländern übertragen werden.

Auch Italiens Präsident Giorgio Napolitano warnte am Dienstag vor willkürlichen Kürzungen im Kulturbereich. Italien müsse zwar seine hohe öffentliche Verschuldung abbauen, dies werde jedoch bestimmt nicht mit drastischen Einschnitten in der Kultur, einer der größten Ressourcen des Landes, erfolgen, mahnte der Präsident. Mit diesen Worten gab der Präsident zu verstehen, er unterstütze die Beschäftigten in der Kulturindustrie, die am Montag aus Protest gegen die Kürzungen im Kulturhaushalt die Arbeit niedergelegt hatten.

Laut dem Budgetgesetz 2011 wird der Kulturhaushalt "FUS" (Fondo Unico per lo Spettacolo) um 40 Prozent auf ein Rekordtief von 288 Mio. Euro reduziert. Damit drohe im Kulturbereich die Streichung Tausender Arbeitsplätze, warnten die Künstler. Lediglich 0,3 Prozent des italienischen Haushalts fließen in die Kultur, kritisierten die Demonstranten, die sich am Montag vor einem Kino in Rom versammelt hatten. Besonderer Streitpunkt ist auch die zunehmende Verlagerung von Filmproduktionen in preiswertere Länder.

"Moise et Pharaon" mit Großteil der Salzburger Festspiel-Besetzung

Riccardo Muti öffnet am 2. Dezember mit der Rossini-Oper "Moise et Pharaon" (Regie: Pierluigi Pier'Alli) die neue Saison der römischen Oper. Muti hatte "Moise et Pharaon" bereits vor zwei Jahren bei den Salzburger Festspielen aufgeführt, wie auch 2003 bei der Saisoneröffnung der Mailänder Scala. Ein Großteil der Sänger, die bei der Premiere in Rom auftreten, waren schon in Salzburg dabei. Ildar Abdrazakov singt wieder den Moise, während Bariton Nicola Alaimo erneut die Rolle des Pharaon übernimmt. Eric Cutler wird wieder als Amenophis auftreten. Bereits  die anspruchsvolle Rossini-Oper dirigiert.

Die Aufführung von "Moise et Pharaon" ist ein Trost für Roms Teatro dell' Opera, nachdem Muti auf den Auftrag verzichtet hatte, die künstlerische Leitung des Opernhauses zu übernehmen. Muti soll sich zu diesem Schritt entschlossen haben, weil sich die finanziellen Schwierigkeiten des Theaters verschärft haben, berichteten italienische Medien. Der Dirigent befürchte Streikaktionen der Belegschaft, die die Saison beeinträchtigen könnten, hieß es. Muti wird weiterhin das Symphonische Orchester von Chicago leiten. Die römische Oper ist seit Jahren schwer verschuldet. Bürgermeister Gianni Alemanno kämpft, um das Theater zu retten. Die Situation droht noch schwieriger zu werden. (APA)