Teheran - Im Fall der zum Tode verurteilten Iranerin Sakineh Mohammadi Ashtiani hält der Vorsitzende des iranischen Menschenrechtsrats eine Begnadigung für möglich. In einem Fernsehinterview mit dem englischsprachigen Sender Press-TV sagte Mohammad Jawad Larijani am Montag, das iranische Justizsystem habe sich sehr dafür eingesetzt, den Fall Ashtiani erneut zu prüfen. Es gebe eine "gute Chance", dass Ashtiani am Leben bleibe. Gründe für seine Einschätzung nannte Larijani nicht. Mohammad Jawad Larijani ist der Bruder des Chefs der iranischen Justizbehörde, Ayatollah Sadeg Larijani, und des Parlamentspräsidenten Ali Larijani.

Der Fall der wegen Ehebruchs zum Tod durch Steinigung verurteilten Ashtiani hatte auf der ganzen Welt Empörung ausgelöst. Daraufhin setzte im Juli der Iran die Hinrichtung zunächst aus. Ashtiani war 2006 in zwei verschiedenen Gerichtsverfahren zum Tode verurteilt worden. Im ersten Prozess wurde sie wegen ihrer angeblichen Verwicklung in die Ermordung ihres Mannes zum Tod durch den Strang verurteilt. Ein Berufungsgericht wandelte das Urteil 2007 in eine zehnjährige Haftstrafe um. Im zweiten Prozess wurde sie wegen mehrfachem Ehebruchs zum Tod durch Steinigung verurteilt.

Zwei deutsche Journalisten waren am 10. Oktober festgenommen worden, als sie Ashtianis Sohn interviewen wollten. Sie befinden sich seither in der nordwestiranischen Stadt Täbris in Haft. Die iranischen Behörden werfen ihnen vor, mit Touristenvisa eingereist zu sein, dann jedoch als Journalisten gearbeitet zu haben. (APA)