Kairo - Vor der Parlamentswahl in Ägypten am kommenden Sonntag hat die offiziell verbotene oppositionelle Muslimbruderschaft das harte Vorgehen der Polizeikräfte gegen ihre Mitglieder kritisiert. In den vergangenen Wochen seien mehr als 1.200 Mitglieder und Sympathisanten der Muslimbrüder verhaftet worden, teilte die stärkste ägyptische Oppositionskraft am Montag mit. "Das Regime sendet uns die Botschaft, dass es keine Wahl geben wird", sagte der Abgeordnete Saad al-Katatni, auf einer Pressekonferenz in Kairo. In den vergangenen Tagen wurden im ganzen Land Wahlkampfveranstaltungen für die als "Unabhängige" registrierten Kandidaten der Muslimbrüder immer wieder von der Polizei unterbrochen.

Bei der Parlamentswahl 2005 hatten Kandidaten der Muslimbrüder ein Fünftel der Abgeordnetensitze erobert. Die Muslimbruderschaft (Jamiat al-Ikhwan al-Muslimun), die in zahlreichen islamischen Ländern Ableger hat, war 1928 von dem ägyptischen Lehrer Hassan al-Banna gegründet worden. Sie folgt der Devise: "Gott ist unser Ziel, der Koran ist unsere Verfassung". 1954 war die Muslimbruderschaft in Ägypten verboten worden, zahlreiche ihrer Führer wurden zum Tode verurteilt, danach wurde sie vorübergehend legalisiert. Nach der Ermordung des Präsidenten Anwar al-Sadat 1981 ging dessen Nachfolger Hosni Mubarak mit aller Härte gegen islamistische Gruppen vor.

Von der säkularen Opposition, der liberalen Ghad-Partei des ehemaligen Präsidentschaftskandidaten Ayman Nour und der Anhängerschaft von Ex-IAEO-Chef Mohamed ElBaradei, werden die Wahlen boykottiert. Die Nationalversammlung besteht aus 508 Abgeordneten - 498 werden gewählt, zehn vom Staatspräsidenten ernannt. Erstmals sind 64 Sitze für Frauen reserviert. Insgesamt sind rund 5.000 Kandidaten registriert. (APA/dapd)