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Die Wahl zum Papst sei ein Schock gewesen, gibt Benedikt XVI., hier bei der Bischofskür am Sonntag im Petersdom, zu.

Foto: APA/EPA/Brambatti

Eine Korrektur des Kirchenkurses bedeuten die Worte nicht.

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Nach dem gewaltigen Medienecho auf die Lockerung des Kondomverbots und Mutmaßungen über einen Kurswechsel der Kirche übt sich der Vatikan in Beschwichtigung. Sprecher Padre Federico Lombardi bestritt noch am Sonntagabend energisch, dass es sich bei der Aussage, für die Benützung eines Kondoms gebe es "berechtigte Einzelfälle", um eine "revolutionäre Wende" handle. Mit seiner Aussage reformiere oder ändere der Papst keineswegs die Lehre der Kirche.

Benedikt XVI. unterstreiche vielmehr, dass "die Kirche natürlich Kondome nicht als wirkliche und moralische Lösungen" der Aids-Problematik betrachte. Etliche Moraltheologen hätten sich bereits ähnlich geäußert. "Dies aber aus dem Mund des Papstes zu hören ist ein mutiger Beitrag zur Klärung und Vertiefung der seit langem strittigen Frage", kommentiert der Sprecher.

Für zusätzliche Verwirrung sorgte ein Übersetzungsfehler des Papst-Zitats. Während in der deutschen Ausgabe des Buchs Licht für die Welt von Peter Seewald - der einzigen vom Papst autorisierten - von einem männlichen Prostituierten die Rede ist, machte der italienische Übersetzer daraus eine Frau. Der Vatikan stellte klar, dass sich "an der Substanz nichts ändert": In beiden Fällen diene das Kondom nur dazu, die Übertragung einer lebensbedrohlichen Krankheit zu verhindern.

Auch andere Passagen des Buches sorgen für Interesse. Etwa Joseph Ratzingers Ankündigung, sein Amt niederzulegen, falls er es physisch nicht mehr ausüben könne. Die Wahl zum Papst sei ein Schock gewesen: "Ich hatte eigentlich erwartet, endlich Ruhe und Frieden zu finden."

Das Kirchenoberhaupt sprach sich im Gespräch mit Seewald auch gegen ein generelles Burka-Verbot aus. Niemand könne damit einverstanden sein, wenn die Frauen zum Tragen gezwungen werden, "wenn sie sie aber freiwillig tragen wollen, weiß ich nicht, warum man sie ihnen verbieten muss". In grundsätzlichen Fragen weicht der Papst nicht von der kirchlichen Doktrin ab, zeigt aber Verständnis für menschliche Aspekte. So bedürfe etwa das Problem der Wiederverheiratung Geschiedener "einer Vertiefung".

Entspannende Momente habe er beim Essen mit den zwei Sekretären und den vier Ordensfrauen, die den Haushalt führen. Einen Pulli trage er aber auch dann nicht. Sieht er fern? "Ich schaue mit meinen Sekretären die Tagesschau an und hin und wieder einen Film." Besondere Vorliebe? "Don Camillo und Peppone." (Gerhard Mumelter aus Rom/DER STANDARD, Printausgabe, 23.11.2010)