Salzburg - Auch zehn Jahre nach der Katastrophe auf dem Salzburger Kitzsteinhorn (Gemeinde Kaprun), bei der 155 Menschen den Tod fanden, herrscht Unmut unter den Betroffenen: Anwalt Gerhard Podovsovnik hat in seinem Namen und dem von 159 Opfer-Angehörigen Anträge auf Fortsetzung der Ermittlungen gegen Ministerin Claudia Bandion-Ortner und Kaprun-Richter Manfred Seiss eingebracht. Die Korruptionsstaatsanwaltschaft hatte die Einstellung verfügt.

Neue Fakten

Es werde "nicht auf die Fakten Bezug genommen, weil mit absoluter Ignoranz die Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft Heilbronn unter den Tisch gekehrt werden", heißt es in dem Antrag gegen Bandion-Ortner. Das Gesetz sei "verletzt und unrichtig angewendet" worden. Es handle sich um neue Fakten und um Beweise, die erst nach dem Ende des Strafverfahrens durch die Nachforschungen der deutschen Sachverständigen Hans-Joachim Keim und Bernhard Schrettenbrunner aufgetaucht seien. Anstatt es auf eine Verjährung ankommen zu lassen, hätte die Justizministerin das Hauptstrafverfahren wieder aufnehmen müssen, meint der Anwalt.

Vorwurf: Richter befangen

Seiss sei ein "höchst befangener Richter", der im selben Lions Club wie der Aufsichtsratsvorsitzende der Gletscherbahnen Kaprun AG (GBK) sitze, und weil er selbst in der Tourismusbranche tätig sei. Die Korruptionsstaatsanwaltschaft hätte die "wahren Beweggründe" von Seiss erkennen müssen - dass er "nur das Netzwerk schützen wollte und sein Fehlurteil", so der Anwalt.

Keine Schuldigen

Am 11. November 2000 sind beim Brand in der Standseilbahn auf das Kitzsteinhorn 155 Menschen ums Leben gekommen. Die Tatsache, dass die Justiz keine Schuldigen für die Katastrophe gefunden hat, macht vielen Angehörigen noch heute das Leben schwer.(APA)