Klagenfurt - Den 17. Jänner 2005 wird Christian Rauscher gewiss nie vergessen. Damals kam der Ex-Treasury-Chef der Hypo Alpe Adria Bank blutüberströmt nach Hause. Den herbeigerufenen Polizisten erzählte er zunächst, er sei von Kroaten niedergeschlagen worden. Noch während des Einsatzes nahmen ihm zwei Bankkollegen einen geheimnisumwitterten ledernen Aktenkoffer ab. Darin soll sich brisantes Aktenmaterial befunden haben. Rauscher relativierte Tage später und meinte, er habe sich in einem Anfall von Depression selbst verletzt.

Erinnerungslücken

Vor dem Hypo-Untersuchungsausschuss am Mittwoch im Kärntner Landtag schien es offenbar auch Erinnerungslücken zu geben. Jedenfalls verhedderte sich Rauscher, der 2004 mit den dramatischen Swap-Verlusten im Ausmaß von 328 Mio. Euro den Niedergang von Jörg Haiders Hausbank eingeleitet hatte, in Widersprüche. Jedenfalls wollte das VP-Klubobmann Stefan Tauschitz so sehen, der Rauscher heftig bedrängte. Dieser hatte sich zuvor als anonymer Informant in einem ZiB2-Interview geoutet, in dem er die beiden Ex-Bankchefs Wolfgang Kulterer und Günther Striedinger massiv belastete. Gelder aus Kroatien seien über Klagenfurt per Koffer nach Liechtenstein transferiert worden - immer in Begleitung eines Bankvorstandes, bestätigte Rauscher auch vor dem U-Ausschuss.

Über seine eigene Rolle in und nach der Swap-Affäre gab es dann einen harten Schlagabtausch mit Ausschussmitgliedern. Rauscher meinte zu seiner Verantwortung zu den Swap-Verlusten (das Verfahren gegen ihn als Beschuldigten wurde eingestellt), er habe erst nach einem mehrwöchigen Aufenthalt in den USA davon erfahren. Bankvorstand Kulterer sei über die Verluste bereits informiert gewesen. Im Zusammenhang mit der 500 Millionen Euro schweren Hypo-Wandelschuldanleihe meinte Rauscher, er habe jener Arbeitsgruppe angehört, die diese vorbereiten sollte. 2007 im Bankenausschuss war davon noch keine Rede gewesen. VP-Klubobmann Tauschitz wertet das als "falsche Zeugenaussage" und drohte mit Anzeige bei der Staatsanwaltschaft. Auch bezüglich der Kontakte zwischen Striedinger und dem kroatischen Ex-General Valdimir Zagorec warf er Rauscher Falschaussagen vor. Ex-Hypo-Vorstand Striedinger, ebenfalls als Zeuge geladen, verweigerte die Aussage. (stein, DER STANDARD, Printausgabe, 25.11.2010)