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Ingrid Pitt 1968 auf einem zeit- und genretypischen Promotionsfoto

Foto: AP

London - Ingrid Pitt, vor allem britischen Horrorfilmfans als glamouröse Königin der Untoten und als Symbolfigur der frivoleren Produktionen des Genres in Erinnerung, starb im Alter von 73 Jahren am Dienstag in einem Londoner Krankenhaus, wie ihre Familie mitteilte.

Die gebürtige Polin erlangte vor allem in den 1970er Jahren durch die legendären Hammer-Studios Ruhm, als sie in Filmen wie "Gruft der Vampire" ("The Vampire Lovers", nach Joseph Sheridan Le Fanus Novelle "Carmilla") oder "Comtesse des Grauens" ("Countess Dracula", nach den Mythen um Gräfin Elizabeth Báthory) auftrat - gerne mit tiefem Dekollete oder leicht bekleidet. Nach kleine Rollen in Spanien, in David Leans "Doctor Schiwago" and Orson Welless "Chimes at Midnight" feierte Pitt ihren Durchbruch als Schauspielerin 1968, als sie eine Nebenrolle im Film "Agenten sterben einsam" mit Clint Eastwood und Richard Burton ergatterte. Und dann folgte bereits das Hammer-Angebot.

Geboren wurde Pitt am 21. November 1937 unter dem Namen Inguschka Petrova, als Tochter einer jüdisch-polnischen Mutter und eines vor den Nazis geflohenen Deutschen, der sich als Wissenschaftler geweigert hatte, an den V1/V2-Raketenprogrammen mitzuarbeiten. Sie überlebte drei Jahre in Konzentrationslager - gemeinsam mit ihrer Mutter gelang es ihr zu fliehen, worauf sich beide Partisanen anschlossen -, was sie vor kurzem durch die Mitarbeit an Bill Plymptons US-Kurzfilm "Beyond the Forest" thematisierte.

Neben einem Medizinstudium wurde sie Mitglied von Bertolt Brechts Berliner Ensemble, geriet jedoch in Konflikte mit dem DDR-System, flüchtete und wurde von einem US-Soldaten aus der Spree gezogen. Nach der Heirat mit diesem lebte die Schauspielerin zunächst in den USA, später in Großbritannien, wo sie sich in zweiter Ehe mit dem Autorennfahrer Tony Rudlin niederließ.

Nach einer kleinen, aber charakteristischen Rolle als Bibliothekarin im Kult-Schauerfilm "The Wicker Man" (1973) wurde ruhiger um ihre Schauspielkarriere, es folgten TV-Arbeiten wie etwa in der Serie "Doctor Who" oder beim Zweiteiler "Smiley's People" nach John Le Carre, aber auch ein Part in Steven Soderberghs "The Underneath". Pitt etablierte sich primär als Autorin, u.a von "Life's A Scream: The Autobiography of Ingrid Pitt" und "The Ingrid Pitt Book of Murder, Torture and Depravity" - und blieb in herzlichem Kontakt mit der Gemeinde der Hammer-Fans. (APA/red)