Jerusalem - Zahlreiche israelische Ärzte, Erzieher und Sozialarbeiter haben der Polizei Gewalt in Verhören von palästinensischen Kindern und Jugendlichen vorgeworfen. In einem offenen Brief an Regierungschef Benjamin Netanyahu beklagten sie am Donnerstag "unverhohlene Rechtsverstöße" der Polizei im Viertel Silwan in Ost-Jerusalem.

Im Laufe der vergangenen Monate hätten sich die Beschwerden von palästinensischen Minderjährigen gehäuft, die nach Steinwürfen vorübergehend festgenommen worden waren. "Die Kinder und Heranwachsenden haben berichtet, mitten in der Nacht aus dem Bett gerissen und in Handschellen ohne Begleitung ihrer Eltern zu einem Verhör geführt worden zu sein", hieß es in dem Schreiben.

Die Unterzeichner des Briefs zeigten sich "besonders besorgt", dass Kinder unter zwölf Jahren "brutale Verhöre" über sich hätten ergehen lassen müssen. Sie verwiesen auf den Fall eines Zehnjährigen, dessen Körper nach einer Vernehmung von "Blutergüssen übersät" gewesen sei.

Die israelische Polizei wies die Vorwürfe zurück. Die Beamten hielten sich "strikt an den Rahmen des Gesetzes", sagte Behördensprecher Micky Rosenfeld. Demnach dürfen Polizisten Kinder unter zwölf Jahren "niemals ohne Anwesenheit eines Elternteils" vernehmen. Die Verhöre müssen zudem auf Video aufgezeichnet werden. Im Ost-Jerusalemer Stadtteil Silwan kommt es immer wieder zu Gewalt zwischen Palästinensern, israelischen Sicherheitskräften und Siedlern. (APA)