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Handykameras ersetzen zunehmend Kompaktkameras

Foto: AP Photo/Kiichiro Sato

Was gibt es Schöneres als ein eben geknipstes Bild herzuzeigen? Das war schon bei Papierbildern so, und im digitalen Alltag führt kein Weg an den Facebook-Fotos, in Twitterfeeds oder der Mail vorbei.

Wie signifikant diese Entwicklung im größeren Maßstab ist, zeigen Kamerastatistiken der Fotosite Flickr. Flickr ist quasi das Youtube für Fotos: Eine Community von Menschen, die ihre Bilder zum Herzeigen hochlädt. Eine der interessanten Nebenaspekte ist die Datensammlung, die sich daraus ergibt, u.a. mit welchen Kameras die Bilder fotografiert wurden. Diese zeigt, dass seit langer Zeit das iPhone 3G alle Kameras deutlich abhängt. Die nächsten Verfolger sind übrigens keine Kompaktkameras, sondern vier Spiegelreflexkameras von Nikon und Canon.

Wir wollen unsere Bilder gleich zeigen

Daraus lässt sich schließen, dass selbst in einer Fotocommunity, die dem Bild (und damit auch dessen handwerklicher und technischer Qualität) hohen Stellenwert einräumt, schnelle Verfügbarkeit und Connectivity sehr oft alle anderen Aspekte des Fotografierens schlägt. Dabei geht es nicht darum, dass es das iPhone ist (obwohl es eine interessante Fußnote ist: Denn die Kameraqualität des 3G ist nicht die bestmögliche eines Handys; dafür ist die Handhabung des Fotos für alle möglichen Zwecke megaeasy). Sondern es zeigt, dass wir eben die allermeisten Bilder zeigen wollen, und das gleich.

Das ist der Grund für den unaufhaltsamen Vormarsch der Handykameras. Kameras sind "Killer-Apps" auf Smartphones, und das iPhone ist die Kodak Instamatik der digitalen Ära.

So wie Kodak in der analogen Ära wusste, dass die Kamera nur ein Baustein ist und der Gesamterfolg von der Kette abhängt (simple, schnelle Ausarbeitungsmöglichkeiten und Minilabs), bietet Apple ein Gesamtpaket aus Kamera und weiterer Verwendung der Bilder an - per Mail verschicken, per Flickr-, Facebook- oder Twitter-App hochladen.

Vernetzung

Warum eigentlich aus MMS im Gegensatz zu SMS keine Erfolgsstory wurde, ist nicht wirklich klar, wahrscheinlich war es der hohe Preis der einzelnen Nachricht, oder auch das Schicksal der all zu frühen Innovation. Oder dass es soviel einfacher ist, ein Bild mehrfach per Mail oder App zu "sharen".

Die Hersteller von Kompaktkameras scheinen diese Entwicklung jedoch noch nicht richtig begriffen zu haben. Denn Connectivity ist diesen fremd (auch GPS, ein weiterer Bonus von Handykameras), Kameras mit WiFi-Vernetzung sind rar (das überlässt man Zubehörhersteller wie Eye-Fi, die WLAN auf der Speicherkarte mit verpacken), Kameras mit Mobilfunk nicht existent.

Für Kompaktkameras wird es immer enger

So kann gut sein, dass die Flickr-Kamerastatistik einen Ausblick auf die nicht all zu ferne Zukunft unserer Fotografiergewohnheiten gibt: Entweder mit dem Handy, und die werden immer besser - siehe Nokias N8 mit zwölf Megapixel Auflösung, oder das iPhone 4 mit Tricks wie HDR (High Dynamic Range, eine digitale Fotoverbesserung). Oder eine "seriöse" Kamera, wenn die Qualität des Bildes und des Fotografierens Vorrang hat. Dazwischen wird es für nicht-vernetzte Kompaktkameras immer enger. (Helmut Spudich, DER STANDARD, 26.11.2010)