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Ex-Hypo-Vorstandschef Wolfgang Kulterer lud zur Pressekonferenz, gefragt werden durfte aber nicht. Was man von dem Banker, der der Untreue angeklagt ist, wissen wollte, musste zwei Tage vorher schriftlich seiner Anwaltskanzlei übermittelt werden.

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Trotz dieser Einschränkungen war der Medienandrang enorm. Er hätte sich bei manchen Hypo-Pressekonferenzen ein solches Interesse gewünscht, meinte Kulterer, bevor er sich in eine ausführliche Darlegung seiner Sicht der Dinge stürzte. Er wolle "völlige Klarheit schaffen", kündigte er an.

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Die Fragen wurden Kulterer von seinem Anwalt vorgelesen. Verteidiger Ferdinand Lanker begründete dies mit den "besonderen Umständen". Denn es müsse das Bankgeheimnis und die Verschwiegenheitspflicht berücksichtigt werden, ebenso die Tatsache, dass gegen Kulterer ein Strafverfahren anhängig sei, da werde jedes Wort auf die Goldwaage gelegt.

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Abschließend sicherten Kulterer und sein Anwalt zu, dass man künftig zu jeder auftauchenden Frage eine Auskunft erhalten werde - natürlich nur über den Filter der Anwaltskanzlei.

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Klagenfurt - Der ehemalige Vorstandschef der Kärntner Hypo Group Alpe Adria, Wolfgang Kulterer, hat am Freitag ausführlich seine Unschuld beteuert, weswegen er zu einer Pressekonferenz lud. Dort hatten die angereisten Journalisten allerdings nicht viel zu plaudern. Zumindest nichts, was vorher nicht als Frage "eingereicht" worden war.

Bei der Pressekonferenz in einem Klagenfurter Hotel betonte Kulterer, er sei nicht bereit, "die Pauschalschuld seit 1992 zu schultern". Mit Geldwäsche und der Bildung einer kriminellen Vereinigung habe er nie etwas zu tun gehabt, auch Parteienfinanzierung habe es nicht gegeben. Aus seiner Sicht ist die Bayerische Landesbank schuld an dem Debakel, das im Dezember vergangenen Jahres in der Notverstaatlichung des Geldinstituts gipfelte.

Er sei "geschockt" gewesen von der Festnahme und der Verhängung der Untersuchungshaft, sagte Kulterer, immerhin habe er stets voll und ganz mit der Justiz kooperiert. Die Zeit in der Justizanstalt habe er zum Aktenstudium genutzt. "Ich habe mich für das Leben und das Kämpfen entschieden", sagte der Banker, der künftig jeden einzelnen Vorwurf widerlegen werde. Die Zeit des "noblen Schweigens" sei vorbei, das habe sich als nicht zielführend erwiesen.

Keine Gesamtverantwortung

Er habe keine Gesamtverantwortung für die Bank getragen, jedes Vorstandsmitglied habe seine Zuständigkeitsbereiche gehabt. Für Kroatien oder Liechtenstein sei nicht er verantwortlich gewesen, sondern Günter Striedinger. "Ich bin nicht bereit, für Fehler und das Versagen anderer einzustehen", erklärte er.

Wer die Bilanzen und die Entwicklungen genau analysiere, sehe deutlich, "dass der echte Skandal in der Zeit der BayernLB passiert ist", sieht er die Verantwortung bei den Bayern, die das Geldinstitut 2007 gekauft hatten. Kulterer: "Da sind 2008 zwölf Milliarden Wachstum gewesen, in der Krise, und dabei wurde kein Risiko eingekauft? Da lachen ja die Hühner." Im Gegenteil, Missmanagement habe dazu geführt, dass Risiken noch größer geworden seien, zum Teil sei man überhaupt mit großen Verlusten aus Projekten ausgestiegen. Am Ende seien von allen Vorwürfen nur zwei übriggeblieben, die Kreditvergaben an die Styrian Spirit und an Dietmar Guggenbichler durch die Hypo Österreich.

"Kann nicht der Täter sein"

"Ich kann nicht der Täter sein, weil ich nicht in dieser Bank war", wies Kulterer jede Verantwortung für die beiden Kreditvergaben von sich. Dass er bei der Styrian Spirit in die Gespräche eingebunden war, gab er allerdings zu. Er habe aber die Übernahme der Fluglinie seitens der Bank abgelehnt, die Landeshauptmann Jörg Haider verlangt habe und diesem erklärt, für ein solches Infrastrukturprojekt müsse das Land aktiv werden. Ein Pleiterisiko habe er nicht gesehen, immerhin sei das Land bestimmender Eigentümer gewesen. Er habe auch eine Landeshaftung gefordert und diese bei Haider auch urgiert. Zum Zeitpunkt der Urgenz, die übrigens vergeblich blieb, war der Kredit allerdings längst vergeben. Bald darauf war die Fluglinie pleite und das Geld - zwei Mio. Euro - war weg. Schuld an der Pleite waren laut Kulterer übrigens die Politiker.

Eigenwillig fiel auch die Bewertung des Vorwurfs der Falschaussage vor dem Landtags-U-Ausschuss aus, den die Staatsanwaltschaft gegen Kulterer erhebt. Er habe damals beim Ausschuss die Unterlagen nicht mitgehabt und sich möglicherweise bei einigen Terminangaben geirrt. Bei der Befragung war es darum gegangen, wann die BayernLB Interesse am Kauf der Hypo gezeigt hatte. Dazu meinte Kulterer: "Am 26. 3. 2007 ist die Interessensbekundung der Bayern bei der Kärntner Landesholding eingelangt und davor sind alle Termine Makulatur."

Heftige Vorwürfe richtete Kulterer an seine Nachfolger, und da im Besonderen an Franz Pinkl: "Der dritte Generaldirektor nach mir hat elf Monate lang überhaupt nichts entschieden und der Bank damit großen Schaden zugefügt."

Weitere Verdachtsmomente

Wie das Ö1-Morgenjournal berichtet, muss Kulterer mit einer weiteren Anzeige wegen des Verdachts der Untreue rechnen. Diesmal gehe es um drei Millionen Euro, die Kulterer 2005 in einem Geldkoffer übernommen haben soll und die seither verschwunden seien.

Kulterer soll dem Radio-Bericht zufolge selbst als Mann mit dem Koffer fungiert haben. Ende Jänner 2005 sollen etwas mehr als drei Millionen Euro von der Kärntner Hypo an die Liechtenstein-Tochter überwiesen worden sein. Das Geld sei bar an Kulterer ausgezahlt worden, die Auszahlungsinstruktion von Hypo-Vorstand Günter Striedinger unterzeichnet.

Die Auszahlung bei der Hypo-Bank im liechtensteinischen Schaan sei nur wenige Tage später erfolgt. Wie in einer Abbuchungsbestätigung festgehalten wird, sei am 7. Februar 2005 das Geld bar übergeben, die Empfangsbestätigung von Kulterer unterzeichnet worden.

Verbleib des Geldes unklar

Laut den Ermittlern wurden die drei Millionen Euro im Geldkoffer abtransportiert, berichtet das Morgenjournal weiter. Was mit dem Geld passiert sei, konnte bisher nicht befriedigend geklärt werden. Striedinger wollte sich bei Befragungen der Justiz an die Transaktion nicht erinnern. Kulterer soll bei seinen Einvernahmen angegeben haben, er hätte das Geld für einen Kunden übernommen, könne sich aber nicht mehr erinnern, wer der Auftraggeber war, heißt es in Ermittlerkreisen. Ein eher seltsames Kundenservice eines Bankchefs, finden die Ermittler laut Ö1.

Sie sehen vielmehr erstmals Beweise, dass Kulterer selbst Bargeld abgehoben hat, und nicht klarstellen kann, wofür. "Daher kann nicht ausgeschlossen werden, dass er die Millionen selbst behalten hat", sagt ein Ermittler. Deshalb wurde nun Anzeige wegen des Verdachtes der Untreue gegen Kulterer und Striedinger erstattet. Für die beiden gilt die Unschuldsvermutung.

Vorwürfe absurd

Für Kulterer selbst sind die Vorwürfe, er habe bei der Hypo Liechtenstein drei Mio. Euro in bar abgehoben völlig absurd. Er verantwortete sich in Klagenfurt so: "Wenn ein Kunde sein Geld in bar haben will, dann sind wir dazu verpflichtet, dem nachzukommen." Das Geld sei auf ein Transferkonto nach Liechtenstein überwiesen worden, der Kunde, dessen Namen er nicht nennen dürfe, habe dort nämlich kein Konto gehabt. Er habe das Geld abgehoben und dem Kunden ausgehändigt. Wer glaube, dass er die Millionen als Hypo-Vorstandschef abgehoben und dann für sich behalten habe, müsse ihn ja für "bescheuert" halten, so Kulterer.

Der Banker bestritt auch jedes Naheverhältnis zu Jörg Haider. Es habe im Gegenteil immer wieder Auseinandersetzungen gegeben, von Freundschaft könne keine Rede sein: "Ich war nie bei Herrn Haider eingeladen, ich weiß nicht einmal, wo das Bärental ist."

Persönlich stehe er wieder dort, wo er vor 25 Jahren begonnen habe. Er habe sämtliche Mandate verloren, zuletzt jenes in der Flick-Stiftung, in den vergangenen drei Jahren hätten ihn Gutachten und Anwälte rund 1,5 Mio. Euro gekostet. Er besitze keine Ländereien, habe kein Einkommen, seine Reserven seien aufgebraucht. Er werde alle Vorwürfe gegen ihn entkräften und dann noch einmal etwas aufbauen, kündigte er an.

Die halbe Million Kaution für seine Freilassung aus der Untersuchungshaft hätten, so Kulterer, weder irgendwelche Stiftungen oder Geschäftspartner aufgebracht. "Das Geld kommt von Nachbarn, Freunden und aus der Verwandtschaft, die haben einem Menschen geholfen, der sehr übel zugerichtet worden ist." Die Namen dürfe er nicht nennen, er hoffe aber, das Geld möglichst bald zurückzahlen zu können. (APA/red, derStandard.at, 26.11.2010)