Es ist ein nettes Paradox, dass sich Idiocracy (2006), einer der klügsten Filme der vergangenen Dekade, just mit dem Thema Volksverblödung befasst. Regisseur Mike Judge entwirft darin die Vision einer rundumvertrottelten Zukunftsgesellschaft des Jahres 2505: Ein Ex-Wrestler ist US-Präsident; die beliebteste

TV-Sendung heißt Au, meine Eier! (Ow, my balls!) und zeigt, wie Leute in dieselben getreten werden; das Ausdrucksvermögen der Bürger erschöpft sich in drei Dutzend dahingegrunzten Allerweltswörtern usf. Kurz: Idocracy entwirft ein bestechend blödes Bild davon, wie es ausschaut, wenn nur noch Idioten an der Macht sind.

Aber kein unplausibles Bild, wie ein Blick nach Italien zeigt: Dort arbeitet Silvio Berlusconi, wenn er nicht gerade mit 17-jährigen Disco-Flittchen Party feiert, beharrlich daran, den nationalen Intelligenzquotienten abzusenken. Politiker haben es fast immer lieber mit willfährigen, beliebig manipulierbaren Pöbelhaufen zu tun als mit aufgeklärten, kritischen Bürgern, hehe. Das sag ich jetzt einmal so. Aber fragen Sie ruhig auch Herbert Kickl, was er dazu meint.

In Österreich geht es in dieselbe Richtung. Mit Wissenschaft, Forschung und Bildung will die momentane Bundesregierung eigentlich nichts mehr am Hut haben. Außer wenn sie nun auch noch den wenigen außeruniversitären Intelligenzinseln finanziell die Luft abdreht.

Von hier zur aktiven staatlichen Förderung der Volksverblödung ist es nur noch ein Schritt. Ich vermute, dass die Herstellung größtmöglicher Geistferne ein fixes Ziel im nächsten Regierungsprogramm sein wird. Motto: Noch depperter geht immer!

Es werden einige legistische Anstrengungen nötig sein, um dieses Ziel umzusetzen. Nötig ist eine Umtextung der Bundeshymne ("Land der Koffer,Land der Deppen" etc.). Sodann gehört geklärt, ob Volksverblödung nur im Verfassungsrang oder einfachgesetzlich geregelt werden kann. Und ob es sich um eine Landes- oder eine Bundesmaterie handelt, das heißt, wann Volksverblödung in die Kompetenz der Länder (Landesvertrottelungsförderung, LVF) oder die des Bundes (Bundesvertrottelungsförderung, BVF)) fällt.

Ein hochkarätiger Vertrottelungsbeirat könnte hier sicher wertvolle Dienste leisten. Ich teile, wenn gewünscht, sehr gerne ein paar Leute mit, die in ein solches Gremium passen würden. (Christoph Winder, DER STANDARD/ALBUM - Printausgabe, 27./28. November 2010)