Wien - Vor 20 Jahren ging die Welt unter. Zumindest für Kurt Pint. Denn vor 20 Jahren prophezeite der ehemalige, im Jahr 1997 verstorbene VP-Bezirksvorsteher des sechsten Wiener Gemeindebezirkes auf den Stufen eines alten Wirtshauses in der Ecke Gumpendorfer Straße den Untergang des Abendlandes: Sollte hier tatsächlich eine Beratungsstelle für Drogenkranke eröffnen, bedeute das den Sicherheits-GAU. Mariahilfs Bürger würden fürderhin knietief durch gebrauchte Spritzen waten.

Doch das Rathaus ignorierte Pint: Der "Ganslwirt" kam trotzdem. Heute, 20 Jahre später, hört man kaum mehr populistisches Getöse um die Junkie-Betreuungsstelle. "Der Ganslwirt wird nicht mehr infrage gestellt", erklärt Roland Reithofer zufrieden.

Der Vize-Geschäftsführer des Ganslwirt-Trägervereines "Verein Wiener Sozialprojekte", der zahlreiche Wiener Hilfseinrichtungen steuert, war selbst zehn Jahre Sozialarbeiter im Ganslwirt: "Es ist heute unumstritten, dass Einrichtungen zur Schadensminimierung für alle wichtig sind." Nicht bloß für die täglich rund 100 hier medizinisch, psychologisch und juristisch betreuten Süchtigen.

Dennoch läutet der Geburtstag das - voraussichtlich - letzte Jahr an dieser Adresse ein: Am oberen Ende der Gumpendorfer Straße entsteht der "Ganslwirt neu" - mit den gebündelten Ressourcen des alten Hauses und jenen des "TaBeNo-Süd", einem Beratungszentrum mit 26 Notschlafplätzen.

Freitagnachmittag, beim Geburtstagsfest, war das aber nur am Rand Thema. Kein Wunder: Geladen waren nicht Politik und Verwaltung, sondern die Klienten: "Denn um diese Menschen geht es hier in allererster Linie." (Thomas Rottenberg/DER STANDARD-Printausgabe, 27.11.2010)