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Am Strand von Cancún macht eine Installation der Hilfs- und Entwicklungsorganisation Oxfam auf sich aufmerksam. Ab heute wird um ein Nachfolgeabkommen zum Kyoto-Protokoll verhandelt.

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Im mexikanischen Ferienparadies Cancún finden sich ab heute Vertreter aus fast 200 Nationen ein, um die neue Runde der UN-Klimagespräche einzuläuten. Sie werden um ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll von 1997 feilschen. Beobachter sehen jedoch kaum Chancen, einen schlagkräftigen Nachfolgevertrag abzuschließen, sind doch auch die Verhandlungen in Kopenhagen vergangenes Jahr gescheitert.

Nicht zuletzt der Streit zwischen den beiden größten Treibhausgasemittenten USA und China über Konsequenzen etwa für die Industrie belastete die diesjährigen Verhandlungen schon im Vorfeld. Beide Länder werfen sich gegenseitig vor, sich nicht genug um eine Reduzierung des Ausstoßes zu kümmern.

Der Ausgang der US-Kongresswahlen Anfang November verkompliziert die Bemühungen zusätzlich. US-Präsident Barack Obama wird nun den Plan, den US-Ausstoß um 17 Prozent unter das Niveau von 2005 zu senken, vermutlich kaum noch umsetzen können. Bei der Abstimmung hatten die Republikaner deutliche Gewinne verbucht. Viele Parteimitglieder misstrauen der wissenschaftlichen Begründung für die Erderwärmung und lehnen Konsequenzen für die amerikanische Industrie ab.

Ab heute werden sich in Cancún jedenfalls die Verhandler der einzelnen Staaten zwei Wochen lang an einen Tisch setzen, um nach Lösungen zu suchen. Ein weiterer Punkt auf der Agenda ist der Schutz der Regenwälder und die Vorbereitung auf eine immer heißer werdende Welt. Schließlich könnte Experten zufolge schon das laufende Jahr eines der zwei wärmsten seit dem Beginn der Wetterdatenaufzeichnung im 19. Jahrhundert werden. Wissenschaftler warnen zudem wegen der steigenden Temperaturen vor Überschwemmungen, Dürren, Sandstürmen und höheren Meeresspiegeln.

Einmal mehr dreht sich auch in Cancún fast alles ums Geld. Nach Meinung der UN-Klimachefin Christiana Figueres könnten sich die Regierungen in vier Punkten handelseinig werden. Das sind: Transfer moderner Energietechnik in Entwicklungsländer, Hilfen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels, Schutz der Urwälder und schließlich ein Fonds, aus dem alles finanziert wird. Nötig sind 100 Milliarden Dollar pro Jahr ab 2020. Sehr große Differenzen sieht Figueres dagegen noch bei der Reduktion der Treibhausgase und einem Nachfolgeabkommen des Kyoto-Protokolls.

EU-Chefunterhändler Artur Metzger-Runge drängt in Cancún vor allem erst einmal darauf, dass die in Kopenhagen unverbindlich auf den Tisch gelegten Klimaziele der einzelnen Staaten nun fest im UN- Verhandlungsprozess "verankert" werden. Zudem möchte er ein System, das die Einhaltung der Klimaversprechen transparent und kontrollierbar macht. Außerdem müssten Entscheidungen zum Urwaldschutz fallen. Die Vernichtung der Wälder trägt laut UN zu 17 Prozent zum Treibhauseffekt bei.

Umweltorganisationen zuversichtlich

Im Vorfeld des Gipfels meldeten sich auch die österreichischen Umweltorganisationen zu Wort. Global 2000 wird an der Konferenz teilnehmen und sieht - trotz geringer Erwartungen der Politiker - noch Chancen für Fortschritte. Der WWF forderte einen Ausweg aus der "Schockstarre" nach Kopenhagen.

"Wenn die Weltgemeinschaft sicherstellen will, dass die globale Erwärmung auf unter zwei Grad begrenzt wird, dann müssen in Cancun substanzielle Fortschritte erzielt werden", so Johannes Wahlmüller von Global 2000. Sollten wir die Erwärmung nicht auf unter zwei Grad eindämmen können, wäre ein Leben auf unserem Planeten, wie wir es bisher kannten, nicht mehr möglich. In Mexiko müssten sich die Vertragsstaaten einschließlich der Europäischen Union auf eine Weiterführung des Kyoto-Protokolls für die Zeit nach 2013 einigen.

Die österreichische Regierung sollte "endlich eine Vorreiterrolle im Klimaschutz einnehmen." In der Europäischen Union müsste darauf gedrängt werden, als ersten Schritt in Cancun die Reduzierung ihrer CO2-Emissionen bis 2020 um mindestens 30 Prozent zuzusagen. Auf die USA oder andere "Bremserstaaten" zu warten, sei keine Option. 

Grundlagen schaffen

Kathrin Hebel, Klimasprecherin des WWF Österreich: "Es muss unter allen Umständen vermieden werden, dass nach dem 2012 auslaufenden Kyoto-Protokoll ein klimapolitisches Vakuum ohne Ziele und Mechanismen entsteht." In Cancun soll demnach die Grundlage für ein Abkommen im Rahmen der COP 17 in Südafrika gelegt werden, das dann im Laufe von 2012 in Kraft treten kann.

Noch nie wäre die Kluft zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und politischer Handlungsbereitschaft so tief wie jetzt. Die CO2-Konzentration in unserer Atmosphäre hätte Ende 2009 387 ppm (parts per million) CO2 betragen. Das seien 40 Prozent mehr, als zu Beginn der industriellen Revolution Ende des 18. Jahrhunderts. "Fast scheint es so, als liefe den Ländern nicht nur die Zeit, sondern vor allem das Klima davon", so Hebel.

Industrie, Verkehr, Energie würden den Klimawandel deutlich weniger beeinflussen als unsere Ernährung, so Vier Pfoten. Laut FAO sei die Tierproduktion mit 18 Prozent noch vor dem Verkehr größter Emissionsfaktor. "Weniger Fleisch zu essen hilft dem Klima also mehr als alles andere", glaubt Geschäftsführerin Johanna Stadler. (Reuters/APA/rom, derStandard.at, 29.11.2010)