Bagdad - Der ehemalige irakische Vizeregierungschef Tarek Aziz ist wegen Verbrechen gegen kurdische Schiiten am Montag zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Das irakische Sondertribunal sah von der Todesstrafe für den 74-Jährigen ab. Ihm sei nur eine geringe Beteiligung an den Gräueltaten gegen Faili-Kurden nachgewiesen worden.

Mindestens drei ehemalige Getreue von Saddam Hussein wurden im gleichen Fall zum Tode verurteilt; zwei Halbbrüder von Saddam wurden allerdings freigesprochen. Das am Montag gesprochene Urteil gegen Aziz ist unabhängig von einem bereits bestehenden Todesurteil.

Aziz war zuvor wegen der Verfolgung schiitischer Politiker zum Tode verurteilt worden. In der vergangenen Woche baten seine Anwälte Präsident Jalal Talabani um eine Begnadigung. Als einziger Christ gehörte Aziz zum engsten Kreis um den ehemaligen irakischen Diktator. Er war Außenminister und stellvertretender Ministerpräsident.

Während des irakisch-iranischen Krieges (1980-1988) waren zahlreiche Faili-Kurden aus ihren Gebieten in der Nähe der Grenze zum schiitschen "Feindesland" vertrieben worden. Während der Deportationen kamen viele Menschen ums Leben. (APA/dapd/sda)