Pulpos - Der Aufschrei des harpunierten Delfins übertönte das Meeresrauschen. Maria Serenella berichtet, wie die Fischer den Delfin an Bord ihres Ruderbootes hievten und ihn dort erschlugen. "Ich habe geschrien. Ich habe geweint. Aber was hätte ich tun können?" fragt die 56-Jährige, als sie den Vorfall schildert, der sich kürzlich in der Nähe ihres Strandhauses südlich der peruanischen Hauptstadt Lima zutrug. "Ich wusste nicht, dass sie Delfine töten."

Schwarzmarkt

Der Fang der Meeressäuger ist in dem südamerikanischen Land zwar seit mehr als zehn Jahren verboten, doch gibt es nach wie vor einen Schwarzmarkt für Delfinfleisch. Das daraus hergestellte Gericht Muchame gilt manchen als Delikatesse. Die zehn Delfine, deren Tötung Serenella an einem einzigen Wochenende beobachtete, ergäben rund achthundert Portionen Muchame, sagt Stefan Austermühle, der Direktor der örtlichen Naturschutzorganisation Mundo Azul. "Es ist eine einfache Rechnung, dass es einen viel größeren Markt dafür gibt, als wir dachten", sagt Austermühle.

Zeichen illegalen Fangs

In seinem Büro blättert der deutsche Biologe durch eine Sammlung von Fotos geschlachteter Delfine, die er auf Reisen entlang der peruanischen Küste machte. Die Kadaver tragen alle die typischen Zeichen illegalen Fangs: Der Muskel entlang ihres Rückens fehlt. Zwar drohen den Fischern der Verlust ihrer Lizenz für sechs Monate sowie bis zu drei Jahre Haft, doch das Risiko lohnt sich offenbar. Käufer bieten 60 Nuevo Soles (15,50 Euro) für ein Kilogramm des Fleischs, aus dem Muchame hergestellt wird. Ein Delfin normaler Größe bringt damit rund 1.200 Nuevo Soles (310 Euro) ein - etwa das Monatsgehalt eines Lehrers oder Polizisten.

Tausend Tiere jährlich

Austermühle, der vor vier Jahren nach Peru kam, schätzt die Zahl der jährlich vor der Küste des Landes getöteten Delfine und Schildkröten auf mindestens 1.000. Mitte der neunziger Jahre lag diese Zahl noch bei mehr als 18.000. Zwar sind die Tötung von Delfinen und der Verkauf ihres Fleisch bereits seit 1990 verboten, Verstöße wurden aber zunächst kaum geahndet.

Erst Mitte des Jahrzehnts verstärkten Aktivisten ihren Druck auf das Fischereiministerium und forderten die Behörden in Lima auf, Restaurants, in denen Muchame serviert wird, die Lizenz zu entziehen. 1996 erließ die Regierung schließlich ein Gesetz, mit dem bereits der Verzehr von Delfinfleisch unter Strafe gestellt wurde. (APA/AP)