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Foto: Reuters/Dukor

Helsinki – Aufregung herrschte am Sonntag Abend im österreichischen Eishockey-Lager. Nicht das 1:7 gegen Weltmeister Slowakei bei der WM in Finnland war das Thema, sondern Aussagen von Teamchef Herbert Pöck, wonach einige Spieler in Helsinki "über die Stränge geschlagen" und sein "Vertrauen brutal missbraucht" hätten. Verbandspräsident Dieter Kalt kündigte am Montag eine Aussprache mit der Mannschaft, aber keine Konsequenzen an. "Auf Gerüchte hin breche ich nicht den Stab", erklärte Kalt.

Keine Namen bekannt

Kalt hatte erst durch Journalisten von den Vorwürfen von Pöck erfahren, am Montag Vormittag diskutierte er mit dem Teamchef und Verbandskapitän Giuseppe Mion die Sachlage. Namen seien nicht bekannt, es gebe nicht einmal eine offizielle Bestätigung für einen nächtlichen Ausflug. In einem Meeting der Mannschaft mit Pöck sei das Thema lediglich von Spielern angesprochen worden, ohne konkrete Vorwürfe. Daher auch kein Handlungsbedarf, so der Tenor.

"Keine Alkohol-Truppe"

"Das ist keine Alkohol-Truppe. Die Mannschaft hat nicht gesoffen, 90 Prozent sind sicher in Ordnung. Ich lasse mir das durch ein Gerücht nicht kaputt machen", verteidigte Kalt das Team. Selbst wenn der Name eines Übeltäters bekannt werden würde, würde das nicht automatisch den Abschied vom Team bedeuten.

Präsident sucht Gespräch

Der ÖEHV-Präsident setzt nun auf Gespräche. Nach dem abschließenden Spiel gegen die Ukraine am Dienstag (15:00) will er vor die Mannschaft treten. "Es wird ein ruhiges Gespräch geben, ohne Hektik zu erzeugen. Vor der Sommerpause hat dann jeder Spieler die Chance, nachzudenken. Ich setze auf eine Selbstreinigungsprozess. Wir werden mit einem großen Teil dieser Mannschaft weiter arbeiten. Das Ziel Viertelfinale bei der WM 2005 gebe ich nicht auf", sagte Kalt.

Kritik an Pöck

Kritik kam aber an Teamchef Pöck auf, auch wenn der Präsident dessen Posten nicht in Frage stellte. "Es ist nicht unser Stil, dass wir das in der Öffentlichkeit diskutieren, was in der Kabine gesprochen wurde. Das war sein Fehler, er ist ein sehr emotionaler Typ. Aber ich stehe hinter der kompletten Mannschaft ", betonte Kalt.

Pöck schwächt ab

Pöck selbst schwächte seine Aussagen ab. "Es hat Gerüchte gegeben, dass einige nicht gut vorbereitet sind. Ich wollte der Mannschaft zeigen, es gibt keine Rückendeckung. Es hat keine Bettruhe gegeben und ich hatte nie Zweifel, dass das nicht hinhaut. Ich habe der Mannschaft gesagt, es gibt überhaupt keine Späße mehr", so der Teamchef.

Am Dienstag gegen Ukraine

Am Dienstag will die Mannschaft mit einem sportlichen Erfolg die Diskussionen verdrängen. Das Team will sich gegen die Ukraine mit einem Sieg von der WM verabschieden und damit zumindest Platz elf erreichen. Sogar Platz zehn wie zuletzt 1999 in Norwegen ist noch möglich. In zwei Vorbereitungsspielen in Kiew gab es ein 1:3 und ein 3:1. "Im zweiten Spiel waren wir klar die bessere Mannschaft. Sie sind offensiv ein bisschen besser aber in der Defensive sehr anfällig", sagte Pöck, der überlegt, mit nur sechs Verteidigern und drei Angriffslinien zu spielen.(APA)