Wolfgang Hladik (58) wollte den Streiktag sportlich angehen. Unfreiwillig: "So ein Streik kommt nur teuer. In einer Wochen sitzen Gewerkschaft und Regierung eh wieder zusammen", vermutete der Vertragsbedienstete im Staatsarchiv am Montag.

"Richtung Gürtel losmarschieren"

Der "nur Öffi-Fahrer" wohnt "am Schafberg, im 17. Bezirk" und arbeitet in Wien-Landstraße. Er werde "um halb sieben Richtung Gürtel losmarschieren, da geht's eh bergab". Dort hoffte er auf ein Taxi.

Pkw statt U-Bahn

Die Hotelfachschülerin Sonja (20) muss ebenfalls früh zur Arbeit. Sie setzte statt auf die U-Bahn auf ihren Pkw: "Was soll ich sonst tun?". Dem Streik steht sie positiv gegenüber: "Was jetzt verschlechtert wird, wirkt mein ganzes Berufsleben." Eine Ansicht, die der ältere Mann in der U3 nicht teilte: "Der Streik geht mi nix an. I bin a Pensionist".

Brotauslieferung

Die Großstadt sollte dennoch funktionieren. Brot und Gebäck sollte es in U-Bahnstationen vorerst nicht geben, die Wiener Bäckereikette Ströck wollte ihre dortigen sieben Filialen erst um zehn Uhr aufsperren. Die Brotauslieferung sonst würde keine Probleme bringen, war man bei Ströck ebenso optimistisch wie bei Ankerbrot: Man liefere zwischen drei und sechs Uhr.

Polizei mit Notdienst

Die Polizei kündigte während ihrer Streikstunden einen Notdienst an, bei der Wiener Rettung erklärt man, man sei Staus gewöhnt und habe noch alle Notfälle versorgt - notfalls per Hubschrauber.

Schleichwege

"Wir haben immer vorgesorgt, wenn sich Staus ankündigen, das ist beim ersten Schneefall auch so", erklärt Gerald Czech vom Roten Kreuz. Es gebe Schleichwege, auf denen Krankenwagen fahren können. Die Versorgung mit Blutkonserven sei gesichert: "Die Krankenhäuser haben sich eingedeckt, im Notfall kommen wir."

Keine Beeinträchtigung in Wiens Spitälern

Ambulatorien der Gebietskrankenkassen sollten am Vormittag geschlossen sein. In Wiens Spitälern betont man dafür, dass es zu keiner Beeinträchtigung kommen werde.

Netzüberlastungen

Strom, Gas und Telefon sollten funktionieren - nur bei Handys könnte es durch Staus und die dadurch erhöhte Telefoniererdichte zu Netzüberlastungen kommen.

Pech für alle, die versuchen, den Streik als Ausrede für ein "Plantscherl" zu nutzen: Die Wiener Bäder öffnen erst um elf. Allerdings geht man davon aus, dass den Bädern (nachmittags) deutlich mehr Besucher beschieden sein werden.

Warten auf die Beamten

Amtswege könnten in Wien länger dauern. Nicht, weil das Melde-, Fund- oder Passamt auch streikt, sondern weil man damit rechnet, dass nicht alle Mitarbeiter rechtzeitig eintreffen werden. Es könnte zu Wartezeiten kommen. Die oberösterreichische Landesregierung beteiligt sich nicht an den Streikmaßnahmen: Dort wird der Parteienverkehr wie üblich abgehalten.

Wiener Flughafen: Bodenpersonal hält Betriebsversammlungen ab

Am Wiener Flughafen könnte es zu Verzögerungen kommen: Das Bodenpersonal hält Betriebsversammlungen ab, die vorgeschriebenen Sicherheitschecks könnten sich dadurch verzögern.

Während sich die Lage in Ostösterreich gegen Mittag langsam wieder normalisieren sollte, wird in Dornbirn von 14 bis 16 Uhr die verkehrsreiche "Messekreuzung" blockiert werden. (aw, bri, jub, mue, rott, simo/DER STANDARD, Printausgabe, 6.5.2003)