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Walter Sisulu mußte wegen seinem Kampf gegen das Apartheid- regime für 26 Jahre ins Gefängnis.

Foto: APA/ AFP/YOAV LEMMER/OA/rc

Pretoria - Der südafrikanische Antiapartheidkämpfer und führende Funktionär des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) Walter Sisulu ist tot. Sisulu, der am Montag im Alter von 90 Jahren starb, war neben Nelson Mandela und Oliver Tambo der prominenteste Führer des ANC und dessen ehemaliger Generalsekretär (ab 1949). Er verbrachte 26 Jahre in den Kerkern des Apartheidregimes. Nach der Legalisierung des ANC, der heutigen Regierungspartei Südafrikas, wurde Sisulu 1991 Vizepräsident der (1912 gegründeten) ältesten afrikanischen Bürgerrechtsbewegung.

Walter Max Uliyate Sisulu hat in seinem ereignisreichen Leben das gleiche Schicksal erlitten wie der prominenteste unter den Häftlingen des berüchtigten Gefängnisses Pollsmoor in Kapstadt, der sechs Jahre jüngere Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela. Der Sohn armer Bauern wurde von seinen Mithäftlingen als sehr warmherzig geschildert, der Aristrokat Mandela (Mitglied der Königsfamilie Tembu des Xhosa-Volkes) dagegen als eher distanziert und belehrend. Die beiden Männer, die in den fünfziger Jahren mit Oliver Tambo das ANC-"Triumvirat" bildeten, sollen erst im Gefängnis Freunde geworden sein.

"Kulturelle Identität"

Nach dem Ende der Apartheid rief Sisulu weiße Gegner der Rassentrennung zum Eintritt in die 1912 gegründete älteste afrikanische Befreiungsorganisation auf. Der ANC werde eine Unterdrückung der weißen Minderheit in Südafrika nicht zulassen, betonte er. Ziel des ANC sei es vielmehr, jeder Bevölkerungsgruppe ihre kulturelle Identität zu erhalten.

Seine Frau Albertina Thethiwe, die er 1944 ehelichte und mit der er fünf Kinder hatte, war selbst fast 20 Jahre gebannt oder unter Hausarrest. Erst 1989 erhielt Albertina Sisulu, die 1986 vom Vorwurf des "Hochverrats" freigesprochen worden war, von den weißen südafrikanischen Behörden einen Reisepass. In Washington wurde sie im Weißen Haus von US-Präsident George Bush, dem Vater des heutigen Präsidenten, empfangen. Sie erwirkte, dass der damals in Südafrika noch verbotene ANC ein Informationsbüro in Washington eröffnen konnte. Albertina, die 1954 zu den Gründerinnen der ANC-Frauenliga gehört hatte, wurde 1956 erstmals verhaftet. 1991 erhielt sie ebenso wie ihr Landsmann, der anglikanische Erzbischof und Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu, den Albert-Schweitzer-Preis von der amerikanischen "Human Behavior Foundation".

(APA/AFP)