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Foto: reuters/EVSTAFIEV

Wien - Von Amöben über Harnröhrenwelse bis zu Zecken - seit es den Menschen gibt, leben auf dessen Kosten Parasiten in und auf ihm. Noch heute leiden Millionen Menschen an den Plagegeistern, denen eines eigen ist: sie wirtschaften nachhaltig. Zumindest eine Zeit lang lassen sie ihren Wirt am Leben, denn stirbt dieser, verlieren sie ihren Lebensraum. Das Naturhistorische Museum (NHM) Wien führt nun in einer Ausstellung (7. Mai bis 11. Jänner 2004) in die Welt der verschiedenen Würmer, Amöben und Sauger.

Alles Eklige versammelt

Die Schau zeigt alles was parasitisch und ekelig ist, das NHM wirbt auch mit Slogan "Nichts für schwache Nerven": zu sehen sind lebende Blutegel ebenso wie Spirituspräparate aus dem pathologisch-anatomischen Museum, große Modelle von Flöhen und Zecken oder Videos, in denen man etwa die endoskopische Entfernung eines vermeintlichen Tumors in der Augenhöhle sieht, der sich als parasitischer Fadenwurm entpuppt.

Am Ötzi dokumentiert

Wie lange schon Parasiten den Menschen quälen wird an Hand der rund 5.300 Jahre alten Gletscherleiche "Ötzi" dokumentiert. In deren Darm wurden Eier des Peitschenwurms gefunden. Und in etwa 3.000 Jahre alten Exkrementen von Hallstätter Bergleuten, die in der Schau gezeigt werden, konnten Eier von Spul-, Peitschen- und Bandwürmern sowie von Leberegeln nachgewiesen werden.

Doch auch heute noch werden zahlreiche Menschen von Schmarotzern geplagt. In Ländern mit geringerem hygienischen Standard besteht nach wie vor ein Krankheitsrisiko, in unseren Breiten dagegen ist der Rinder- und Schweinefinnenbandwurm sowie die Trichinen dank gesetzlich vorgeschriebenen Fleischbeschau fast ausgestorben. Anders ist das beispielsweise mit dem Fuchsbandwurm, der auch hierzulande im Dünndarm von Füchsen, Hunden und Katzen lebt und dessen Eier mit dem Kot des Wirts ausgeschieden wird. Durch den Verzehr von verschmutzten Waldbeeren können diese in den Menschen gelangen, wo sie in die Leber vordringen und dort ihr zerstörerisches Werk beginnen.

Übertragungen

Durch engen Kontakt mit Heimtieren können gefährliche Parasiten wie Katzen- und Hundespulwurm oder die Toxoplasmose auf den Menschen übertragen werden. Laut NHM ist Toxoplasmose gondii einer der häufigsten Parasiten des Menschen, in Mitteleuropa seien mindestens dreißig Prozent befallen.

Blutsauger wie Flöhe, Mücken oder Zecken sind nicht nur lästig, sie können auch gefährliche Krankheiten in die Blutbahn einschleusen. Im Mittelalter etwa war der Rattenfloh der Hauptüberträger der Pest. Der Erreger der Afrikanischen Schlafkrankheit wird durch die Tsetse-Fliege übertragen, jener der Malaria - mit fast drei Millionen Todesfällen pro Jahr - durch die Anophelesmücke.

Kleine Helfer

Parasiten können aber auch helfen. So arbeitet die Made der Schmeißfliege Lucilia sericata präziser als jeder Chirurg: in schlecht heilenden Wunden frißt sie nur totes Gewebe und gibt dabei entzündungshemmende Stoffe ab, die die Heilung beschleunigen. Diabetiker können heute damit vor Amputationen bewahrt werden. Auch Blutegel, die schon seit Jahrtausenden medizinisch verwendet wurden, feiern ein Comeback: sie werden eingesetzt, um die Durchblutung an Operationswunden zu beschleunigen. (APA)