Ankara - Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat Israel zu einer Entschuldigung und zu Entschädigungszahlungen für den Angriff auf die Gaza-Hilfsflotte aufgefordert, bei dem Ende Mai neun türkische Staatsbürger getötet worden waren. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern könnten sich nicht verbessern, "solange das ins Mittelmeer geflossene Blut nicht weggewischt sei", sagte Erdogan laut einem Bericht der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu am Sonntag in der zentraltürkischen Stadt Sivas. "Wenn eine Hand ausgestreckt wird, werden wir sie nicht ignorieren, aber vorher müssen Entschuldigungen ausgesprochen und Entschädigungen gezahlt werden".

Bei der Erstürmung der Flotte, die Hilfsgüter in den von Israel abgeriegelten Gazastreifen bringen sollte, waren am 31. Mai im Mittelmeer neun türkische Aktivisten auf dem Hauptschiff getötet worden. Israel erklärte, seine Soldaten seien angegriffen worden und hätten zur Selbstverteidigung geschossen.

Angespannte Beziehungen

Nach dem Vorfall verschlechterten sich die seit der israelischen Militäroffensive gegen den Gazastreifen in den Jahren 2008 und 2009 ohnehin angespannten diplomatischen Beziehungen der beiden Länder weiter. Ungeachtet der Spannungen entsandte die Türkei am Freitag zwei Löschflugzeuge zur Bekämpfung der Waldbrände nach Israel. In einem Telefongespräch bot Erdogan seinem israelischen Kollegen Benjamin Netanyahu zudem weitere Hilfe an.

In Genf trafen sich am Sonntag hohe Diplomaten aus Israel und der Türkei zu Gesprächen über eine Lösung der diplomatischen Krise. "Ich kann bestätigen, dass heute ein Treffen in Genf stattfand", sagte ein türkischer Diplomat. An der Zusammenkunft hätten der türkische Außenstaatssekretär Feridun Sinirlioglu und ein hoher Vertreter des israelischen Außenministeriums teilgenommen.

Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas traf unterdessen am Sonntag zu einem zweitägigen Besuch in Ankara ein. Auf dem Programm seines Aufenthalts in der türkischen Hauptstadt stünden Gespräche mit Erdogan und Staatspräsident Abdullah Gül über das weitere Vorgehen im Nahostkonflikt, berichtete Anadolu unter Berufung auf eine Mitteilung der türkischen Präsidialverwaltung. Die direkten israelisch-palästinensischen Friedensgespräche waren nur wenige Wochen nach ihrer Wiederaufnahme am 2. September abgebrochen worden, weil Israel sich weigerte, den Baustopp für Siedlungen im Westjordanland zu verlängern. (APA)