"Artinfo" kursiert als Name für den künftigen Kultur- und Infokanal des ORF.

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Wien - Aus "1" wird "eins": Ab 8. Jänner schreibt der ORF seinen ersten Kanal bei Senderlogos nicht mehr in Ziffern, sondern in Worten. Logos, Trailer, Balken und Promotionclips präsentieren sich ebenfalls im neuen Design. "ORF 2" bleibt beim gewohnten Ziffernauftritt.

Ein Sender ohne Namen ist vorerst noch der künftige Kultur- und Infokanal des ORF. "Artinfo" kursiert nach STANDARD-Infos, intern läuft das Projekt unter "ORF Info plus". Geplanter Start: April 2011.

Drittverwertungskanal

Dass der Kanal nicht zum ausschließlichen Drittverwertungskanal des ORF wird, darauf achtet Senderchef Peter Schöber - mit Einschränkungen: "Wir sind eine kleine Mannschaft. Den Big Bang kann man da nicht machen", sagt Schöber. Er geht die Sache ambitioniert an: "Wenn das Produkt stimmt, werden die Zuschauer kommen." Viel Spielraum für Eigenproduktionen ist nicht vorhanden. Für Kauf und Produktion von Programm budgetiert der Sender 4,088 Millionen, 2,266 Millionen für die Abwicklung. "Wo es sinnstiftend dazupasst, können wir uns in bescheidenem Rahmen Finanzierungen holen", verweist Schöber auf Sponsoring. Das neue ORF-Gesetz schreibt einen Infokanal als Teil des öffentlich-rechtlichen Auftrags vor. Geführt wird er wie TW1 als Tochterfirma.

Um den Infokanal "auf Betriebstemperatur zu bringen" (Schöber), wärmen schon jetzt Magazine wie "Treffpunkt Medizin", Erlesen und Kulturwerk vor. Schöber kündigt zudem wöchentliche EU-Diskussionen an, weiters eine Reportageschiene über vergessene Konflikte in Regionen abseits des öffentlichen Interesses sowie Zeitgeschichtedokus.

Bis 21. Dezember nimmt der ORF Stellungnahmen zum Konzept des Senders entgegen. Der Vorschlag ist unter orf.at abrufbar. Fix steuern Wirtschafts- und Arbeiterkammer bei. Innert einer Woche will Schöber die Positionen einarbeiten und den Vorschlag an die Medienbehörde schicken. Bundeswettbewerbsbehörde und Fachbeirat prüfen, schließlich erstellt ein Senat den Bescheid.

Filmwirtschaft

Und was erhoffen sich heimische TV-Produzenten vom neuen Sender? "Prinzipiell toll, aber mich schreckt das geringe Budget", sagt einer der Produzenten. Die Szene macht sich keine großen Hoffnungen auf eine Belebung ihrer Geschäfte. Der Kulturkanal werde "gar nicht bemerkbar sein", fürchtet ein anderer: "Die alten Platzhirsche sind ziemlich stark vertreten." Schöber sieht das anders, er will junge Kreative fördern.

Mit Kultur sei Österreich "prinzipiell ziemlich unterversorgt", meint hingegen Interspot-Chef Rudolf Klingohr. Der ORF habe "nur die Hochkultur im Auge und vernachlässigt alles abseits davon". In Frage kommen für ihn Beiträge aber nur dann, wenn kostendeckend produziert werden könne.

Apropos Interspot: Noch in dieser Woche fällt die Entscheidung, wer das Reportagemagazin ab Februar 2011 für ORF1 - dann schon "ORF eins" - produzieren soll. Interspot, Gebhardt Productions, Talk TV, Mediavilm und Kiwi TV reichten wie berichtet Pilotfilme ein. Gefragt waren ein Restauranttest und ein Beitrag nach Wahl. Das Magazin, bei dem auch die versteckte Kamera zum Einsatz kommen soll, läuft nach der Dokusoap (fix ab März: Single mit Kind) und zeitgleich zur ZiB 2 - wie gehabt, mit Ziffern-"2". (Doris Priesching/DER STANDARD, Printausgabe, 7./8.12.2010)