Bild nicht mehr verfügbar.

Die einzelnen Schulen prägen die Leistungen der Schüler und Schülerinnen eklatant, ebenso wie die soziale Herkunft.

Foto: dpa/Weigel

PISAMustertestheft.pdf

Größe: unbekannt

Pisa-Mustertest aus den vergangenen Jahren.

Pisa_Bifie.pdf

Größe: unbekannt

Informationsbroschüre zum Pisa-Test

Die Pisa-Studie hat einmal mehr gezeigt, dass Schüler in Österreich Schwierigkeiten beim Lesen haben. 28 Prozent der 15- und 16-jährigen Österreicher können nicht sinnerfassend lesen, unter den Burschen sind es 35 Prozent. Österreich erreicht nur 470 Punkte und ist damit nur auf Platz 31 von 34 OECD-Ländern, der Durchschnitt liegt bei 493 Punkten. 2006 erreichten wir noch 490 Punkte. Bei der Mathematik und den Naturwissenschaften sieht es etwas besser aus, aber auch hier liegt Österreich bestenfalls im Mittelfeld. Unterrichtsministerin Claudia Schmied nannte die Ergebnisse am Montag-Abend "niederschmetternd". Sie hat bei der Präsentation der Studie einen Zehn-Punkte-Reformplan vorgestellt.

Mathematik und Naturwissenschaft

In Mathematik erzielte Österreich 496 Punkte, 2006 waren es noch 505. Damit liegen wir auf Platz 24 aller Teilnehmerländer. In den Naturwissenschaften stehen wir bei 494 Punkten, 2006 waren es noch 511. Damit liegt Österreich auf Rang 30. Vergleicht man Österreichs Ergebnisse mit den anderen teilnehmenden Ländern, so sind diese in der Mathematik leicht über dem Durchschnitt, bei Naturwissenschaften genau durchschnittlich. 2006 lag man in den beiden Bereichen noch deutlich über dem OECD-Durchschnitt.

Mit 15 Prozent "besorgniserregend" hoch ist laut Günter Haider, Direktor des für die Österreich-Tests zuständigen Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie), auch der Anteil an Schülern, die in allen drei PISA-Kompetenzbereichen (Lesen, Mathe und Naturwissenschaften) Risikoschüler sind. "Da hat die Schule in allen grundlegenden Kulturtechniken die Mindeststandards nicht vermittelt", so Haider zur APA.  Insgesamt hat mehr als ein Drittel der Schüler, nämlich 34 Prozent, in Österreich in zumindest einem Kompetenzbereich massive Defizite.

Die Schwäche der österreichischen Schüler beim Lesen kann auch mit dem fehlenden Lesevergnügen begründet werden. Mindestens 45 Prozent gaben an, dass sie überhaupt kein Vergnügen beim Lesen empfinden, bei den Burschen liegt der Wert der Leseverweigerer überhaupt bei 61 Prozent. Gerade dieses führt aber zu besseren Leistungen.

Schwäche beim Reflektieren und Bewerten

Das schlechte Lese-Ergebnis bedeutet nicht, dass Österreichs Schüler gar nicht lesen können. Bei der Pisa-Studie werden verschiedene Lesekompetenzen überprüft. Es gibt hier die Kategorien Suchen und Extrahieren, Kombinieren und Interpretieren, Reflektieren und Bewerten, Lesen von kontinuierlichen und Lesen von nichtkontinuierlichen Texten - das sind beispielsweise Grafiken wie U-Bahn Pläne. Vor allem beim Reflektieren und Bewerten tun sich Österreichs Schüler schwer. Hier erreichen sie nur 463 Punkte, während der Durchschnitt bei 494 Punkten liegt. Die Schüler aus Shanghai, das kein OECD-Land ist, aber eine Partnervolkswirtschaft ist, kommen in dieser Kategorie sogar auf 557 Punkte.

Asiaten holen auf

Überhaupt konnten diesmal eindeutig die asiatischen Staaten die besten Leistungen erbringen. Beachtet man alle teilnehmenden Länder und nicht nur die OECD-Staaten, dann haben es Shanghai, Korea, Hongkong und Singapur in die Top fünf der Tabelle geschafft. Finnland ist das einzige europäische Land, das hier auf Platz zwei zu finden ist. "Für wohlhabende OECD-Länder ist es damit nicht mehr selbstverständlich, dass ihre Schulsysteme die besseren sind", heißt es dazu in der Presseaussendung der OECD.

Deutschland atmet auf

Die leistungsstärksten OECD-Länder sind Südkorea (539 Punkte) und Finnland (536 Punkte). Niederlande, Belgien, Norwegen, Estland, Schweiz, Polen, Island und Liechtenstein liegen über dem Durchschnitt. Auch Deutschland kann in diesem Jahr aufatmen, mit 497 haben sie den Durchschnitt knapp aber doch überschritten. Das Schlusslicht und damit leistungsschwächste OECD-Land ist Mexiko, mit 425 Punkten. 114 Punkte liegen zwischen dem leistungsstärksten und dem leistungsschwächsten OECD-Land. In Schuljahren ausgedrückt beträgt die Differenz zwei Jahre.

Die Kategorisierung der Lesekompetenz bei der Pisa-Studie erfolgt in Stufen: Als Basisniveau gilt Kompetenzstufe Zwei. Damit sind jene Lesefähigkeiten gemeint, die Schüler brauchen, um effektiv und produktiv am Leben teilzuhaben. Menschen ohne diese Fähigkeiten haben Schwierigkeiten grundlegende Informationen zu lokalisieren. Ein niedriges Leistungsniveau stellt in allen OECD-Ländern eine große Herausforderung dar. In 18 Ländern - darunter auch Österreich - war Kompetenzstufe zwei die höchste Stufe, die von den meisten Schülern erreicht wurde.

Chancengleichheit steigt mit Gesamtschule

Aus der Pisa-Studie kann man laut OECD auch herauslesen, dass "je früher die erste Aufteilung auf die jeweiligen Zweige erfolgt, desto größer sind bei den 15-jährigen die Leistungsunterschiede nach sozioökonomischem Hintergrund - ohne dass deswegen die Gesamtleistung steigen würde". Gesamtschulen stellen demnach eine höhere Chancengleichheit her. Ablesen lässt sich dies recht gut an einigen Indikatoren. Die Leistungsunterschiede zwischen schlechten und guten Schülern - die sogenannte Varianz - ist in Österreich besonders groß.

Der Prozentsatz der Varianz, die durch den sozioökonomischen Hintergrund der Schüler erklärt werden kann, liegt bei 17 Prozent. Finnland, wo die Schüler wesentlich später als in Österreich getrennt werden, erreicht hier nur acht Prozent. Sozioökomisch besonders schlecht gestellte Schüler erreichen in Österreich beim Lesen um 102 Punkte weniger als sozioökonomisch besonders gut gestellte. Das entspricht ungefähr der Leistung von zwei Schuljahren. Wir liegen damit signifikant über dem OECD-Schnitt (89 Punkte).

Aufstieg ist in Österreich besonders schwer

Vor allem Migranten und Schüler aus sozioökonomisch schlechter gestellten Familien erbringen in Österreich laut Pisa-Studie schwache Leistungen. Nur fünf Prozent der Schüler gelten darin als "resilient", was bedeutet, dass sie trotz schlechten Voraussetzungen gute Leistungen erbringen. Korea, das beim Lesen und in Mathematik im OECD-Vergleich die höchste Punktezahl erreichte, hat 14 Prozent resiliente Schüler, acht Prozent sind OECD-Schnitt. Österreich wird deshalb eine "geringe Qualität oder Chancengleichheit" attestiert. 

Auch die Schulen prägen die Leistungen maßgeblich. So beträgt der Unterschied zwischen zwei Schülern, die in einer Schule in günstigem oder ungünstigem Umfeld unterrichtet werden, bis zu mehr als hundert Pisa-Punkten.

OECD warnt

Beim Vergleich der Ergebnisse der letzten Pisa-Studie aus dem Jahr 2006 muss man laut OECD beachten, das während der Durchführung des Tests ÖVP-nahe Schülervertreter zu einem Boykott aufgerufen hatten. Es wurden zwar nur knapp über zweihundert Testbögen nicht ausgefüllt und deshalb aussortiert. Ein Sprecher der OECD meint aber gegenüber derStandard.at, dass durch den Boykott die Stimmung für den Test schlechter geworden sein könnte und dadurch die Motivation der Schüler sank und die Leistungen deshalb schlechter wurden. Das Bifie-Institut schloss eine Einfluss des Boykotts auf die Daten bei der Präsentation der Ergebnisse erneut aus. (Lisa Aigner und Marie-Theres Egyed, derStandard.at, 7.12.2010)