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Serbische Wahlplakate im Kosovo.

Foto: EPA/VALDRIN XHEMAJ

Während Premier Hashim Thaci letztes Jahr die Kosovo-Serben explizit zur Teilnahme an den Lokalwahlen aufgerufen hat, erwähnt er sie heuer gar nicht. Das mag daran liegen, dass die Parteien der serbischen Community in diesem Jahr viel präsenter sind als im Vergangenen.

Und während Belgrad vor den letzten Wahlen die Kosovo-Serben zum Boykott der Lokalwahlen aufrief, erlaubt es der Volksgruppe in diesem Jahr in einer nuancierten Sprache die Teilnahme.

Sehen wir hier den Beginn eines echten Dialogs zwischen Serbien und dem Kosovo? Oder spielt Serbien einfach eine neue Karte in dem Spiel aus, in dem es der EU zu zeigen gilt, dass man ein pro-westlicher Partner ist und dass man den Kosovo in Zukunft gemäß der EU-Warnungen behandeln will. Die sagen nämlich recht klar, dass Belgrad nicht beides haben kann: Kosovo und EU-Beitritt.

Spielball der Interessen

Obwohl die Serbische Gemeinschaft lange Jahre von Serbien als Spielball seiner Interessen verwenden wurde, scheint es nun so, als bereite sich die serbische Regierung gut auf die kommenden Gespräche mit der EU vor - eine starke Präsenz im kosovarischen Parlament inklusive.

Viele Serben südlich des Ibars, dem Fluss, der den Großteil des Kosovo von der kleinen Serbenregion im Norden trennt, werden am Sonntag an die Urnen schreiten. Nördlich des Ibar ist die Situation weit weniger klar. Serbische Kandidaten wurden dort in den vergangenen Monaten attackiert. Dies hält den Norden des Kosovo auch weiter unter serbischer Kontrolle. Zumindest so lange, bis es Serbien opportun erscheint, politischen Profit daraus zu schlagen.

Derzeit gibt es acht politische Einheiten, die die Serbische Gemeinschaft im Kosovo vertreten. Insgesamt hat die zentrale kosovarische Wahlkommission 28 politische Einheiten definiert. Gemäß der Verfassung, die von dem damaligen UNO-Vermittler Martti Ahtisaari geschrieben wurde, sind zehn Sitze im Parlament für die Serbische Gemeinschaft reserviert.

Jetzt, wo mehr serbische Parteien antreten und mehr Serben wählen gehen als früher, sind auch die Chancen gestiegen, mehr als die Mindestzahl der zehn Mandate zu erreichen. Es ist auf jeden Fall für Serbien und den Kosovo von Interesse, dass die Serbische Gemeinschaft des Kosovo an den kommenden Wahlen teilnimmt und weiter im Parlament vertreten ist. Das stärkt die EU-Ambitionen beider Länder.