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Die drei Vorstände

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Der Rohbau von Skylink ist fertig, andocken können die Flieger freileich noch nicht. Erst Mitte 2012 soll das Terminal in Betrieb gehen.

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Aufsichtsratschef Christoph Herbst leitete die Sitzung.

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Nach 14-stündiger Aufsichtsratssitzung kam doch noch ein Ergebnis über die künftige Führung des Wiener Flughafens zustande. Die Sensation: Aufsichtsratschef Christoph Herbst, ein enger Vertrauter von NÖ-Landeshauptmann Erwin Pröll (VP), wird interimistisch neuer Flughafen-Chef – für maximal ein Jahr, wie er betont. Im Anschluss will er wieder in den Aufsichtsrat wechseln. Sein Nachfolger wird der bisherige Vize, der frühere BA-Chef Karl Samstag (SP). Für Herbst wird es keine Nachbestellung im Aufsichtsrat geben, der damit eine Person weniger umfasst.

Mit dem bisherigen Vorstandssprecher Herbert Kaufmann wurde eine einvernehmliche Lösung über die Vertragsauflösung gefunden. Dem Vernehmen nach bekommt er etwa 350.000 Euro. Die beiden Vorstände Gerhard Schmid (SP) und Ernest Gabmann (VP) bleiben bis Ende 2011 im Amt. Bis dahin sollte auch das Terminal Skylink fertig sein.
Kaufmann muss bis Jahresende gehen, Schmid und Gabmann können sich nach 2011 neu bewerben, sagte Herbst.

Nach über 14-stündiger Aufsichtsratssitzung kam endlich das Ergebnis: Per Jahresende scheidet Flughafen-Sprecher Herbert Kaufmann (SP) vorzeitig aus, sein Vertrag wäre bis 2014 gelaufen. Die beiden Vorstände Gerhard Schmid (SP) und Ernest Gabmann (VP) bleiben. Aber die Sensation ist, dass Aufsichtsratschef Christoph Herbst (Vertrauter Erwin Prölls und im Zivilberuf Anwalt) neuer Vorstandschef wird. Damit wird eine neue Ausschreibung vermieden.

Herbst soll ein Jahr das Ruder führen, danach will er wieder in den Aufsichtsrat zurückkehren. Das würde auch zu seinen Ambitionen passen, einen Sitz im Verfassungsgerichtshof zu ergattern.

Schmid kennt den Betrieb, ihm wird die Inbetriebnahme von Skylink zugetraut. Bleibt Schmid, so war klar, wird auch Gabmann bleiben. Interessant wird sein, wie Gabmann und Herbst miteinander arbeiten. Beide sind sich nicht sonderlich zugetan.

Am Mittwoch berieten die Aufsichtsräte seit neun Uhr morgens nonstop. Während zu ebener Erde ermüdete Fernsehteams warteten, ging es im zehnten Stock ans Eingemachte: SP- und VP-Räte waren sich über die Vorgangsweise des Neustarts nicht einig.

Auch im Vorfeld der Sitzung wurden keine gemeinsamen, sondern nur getrennte Vorgespräche geführt. Kleine Fraktionsgrüppchen gingen während des Sitzungsmarathons laufend ein und aus, um einen Ausweg zu finden.
Knapp vor Mitternacht durften die Aufsichtsräte dann ihr Weihnachtsgeschenk entgegennehmen: Einen Reisekoffer und ein Holzkistchen – Inhalt unbekannt.

Wie berichtet wollte Herbst einen völligen Neuanfang an der Flughafen-Spitze erreichen und das bestehende Trio Herbert Kaufmann, Gerhard Schmid und Ernest Gabmann abberufen. Dagegen gab es Widerstand seitens der roten Aufsichtsräte. Vizeaufsichtsratschef Karl Samstag (SP) soll seinerseits einen Rücktritt erwogen haben, sollten alle Vorstände abberufen werden.

Knackpunkt: Alle drei Vorstandsmitglieder haben Verträge bis 2014, die Auflösung hätte viel Geld gekostet. Denn der Rechnungshofbericht stellt dem Vorstand rund ums kostenmäßig völlig aus dem Ruder gelaufenen Skylink-Projekt zwar ein denkbar schlechtes Zeugnis aus – aktienrechtliche Gründe zu einer Abberufung des Vorstands „aus wichtigen Gründen" sah der Aufsichtsrat darin aber nicht.

Skylink ohne Ende
Die Arbeiten am neuen Terminal sollen nach wie vor nicht optimal laufen. Die Projektleitung hatte bereits mehrfach versucht, die begleitende Kontrolle auszuschalten und hat eine von ihr abhängige Öba (örtliche Bauaufsicht) installiert – bei den meisten Projekt dieser Größenordnung wird die Öba extern vergeben. Bedenklich stimmt auch der Umstand, dass die Bestellung eines Totalübernehmers faktisch zu Grabe getragen wurde. Denn das Flughafen-Management versucht nach wie vor, das komplexes Projekt im Alleingang ohne externe Verstärkung fertigzubringen.

Herbst will schnelle Aufklärung

Im Ö1-Frühjournal sagte der interimistische Flughafen-Chef Christoph Herbst, dass er eine schnelle Aufklärung über das Finanzdebakel am Wiener Flughafen wünsche. Außerdem möchte er, dass intern bald wieder Ruhe einkehren könne. Die interimistische Tätigkeit möchte Herbst nicht länger als ein Jahr ausüben. (red, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.12.2010)