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Montage: derStandard.at / Fotos: REUTERS

Istanbul - Die US-Regierung verlangt von der Türkei, dass sie sich für ihre Haltung zum Irak-Krieg entschuldigt. Die Türkei müsse ihre "Fehler" eingestehen und versprechen, den USA in Zukunft nach Kräften zu helfen, sagte der Vize-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz in einem Interview mit dem türkischen Fernsehsender CNN-Türk am Dienstagabend. Wolfowitz kritisierte auch die türkische Armee. Diese hätte zu dem Nein des Parlaments zur US-Truppenstationierung Anfang März geschwiegen, statt darauf hinzuweisen, dass die Unterstützung der USA im Interesse der Türkei sei. Wolfowitz sprach in dem Interview von der "großen Enttäuschung" der USA über die Haltung ihres NATO-Partners Türkei.

Erdogan: Türkei hat keineswegs Fehler gemacht

Die türkische Regierung wies die Vorwürfe von Wolfowitz umgehend zurück. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan sagte laut türkischen Medienberichten, die Türkei habe keineswegs Fehler gemacht. Regierungssprecher Cemil Cicek kritisierte, Wolfowitz solle sich einmal die Fehler der USA anschauen. Schließlich hätten die Amerikaner die gegenüber der Türkei gemachten Versprechen nach dem Golf-Krieg 1991 nicht gehalten und so selbst zum Misserfolg der Parlamentsabstimmung im März beigetragen. Durch die Entscheidung der türkischen Nationalversammlung waren die Pläne der USA für eine schlagkräftige Nordfront im Irak-Krieg Makulatur geworden.

Kritik von Wolfowitz an Verhältnis der Türkei zu Syrien und Iran

Wolfowitz kritisierte außerdem das Verhältnis Ankaras zu Syrien und dem Iran. "Die Beziehungen der Türkei zu Syrien und dem Iran müssen voll mit unserer Politik abgestimmt sein. Denn wir denken, dass sie ihre Haltung ändern müssen." Syrien müsse endlich darauf verzichten, den Terrorismus zu unterstützen, und sich nicht in die irakischen Angelegenheiten einmischen.

Gemeinsamer Luftwaffenstützpunktes Incirlik: "Wo wir nicht erwünscht sind, werden wir nicht mehr sein"

Fragezeichen machte Wolfowitz hinter die Zukunft des gemeinsam mit den Türken genutzten Luftwaffenstützpunktes in Incirlik. Ein Entschluss sei noch nicht gefallen. "(Doch) wo wir nicht erwünscht sind, werden wir nicht mehr sein", sagte Wolfowitz mit Blick auf Saudi-Arabien. "Auch dort, wo wir erwünscht sind, werden wir nicht bleiben, wenn wir es nicht für nötig halten."

Die Türkei habe jedoch "die Möglichkeit, den Fehler wieder gutzumachen". Ankara habe "die Möglichkeit der Zusammenarbeit." Wenn die Türkei dazu beitrage, dem Projekt eines freien und demokratischen Iraks zum Erfolg zu verhelfen, "würden unsere beschädigten Beziehungen nicht nur repariert, sondern alle Schäden vollständig beseitigt." (APA)