Auch so kann ein Staat seine Studierenden sehen: Ihre "Arbeit", das Studium, ist ihm so wichtig, dass er dafür sogar eine Art "Gehalt" zahlt. "Statens Uddannelsesstoette" heißt das in Dänemark und ist ein Grundeinkommen für die Regelstudienzeit plus ein Extrajahr. An Studierende, die noch zu Hause wohnen, überweist der dänische Staat 360 Euro im Monat, für WG oder eigene Wohnung gibt es 720 Euro - unabhängig davon, wie viel die Eltern verdienen oder ob sie Unterhalt zahlen oder nicht.

Auch wenn dieser Betrag die hohen Lebenskosten in Dänemark nicht voll deckt (es gibt günstige staatliche Darlehen), ist es ein prinzipieller Unterschied, wie man dort mit jungen Erwachsenen, die mit (Aus-)Bildung beschäftigt sind, umgeht. Ihnen wird eine finanzielle Basisautonomie zugestanden, die sie für das Studium freispielen soll, ohne sie bis ins Twen-Alter im Kinderstatus zu behalten, der den Eltern Anspruch auf Familienbeihilfe bringt.

Abgesehen von den technischen Details, wie das bestmögliche Stipendiensystem aussehen könnte, ist zuerst ein grundlegender gesellschaftlicher Konsens nötig, der das, was an den Hochschulen passiert, wertschätzt. Studieren ist keine unproduktive Zwischenzeit im Durchlauferhitzer, der einsatzfertige Akademiker/innen auf den Markt spült. Das, was in den Uni-Hörsälen und Seminarräumen passiert, muss endlich anerkannt werden als das, was es ist: Arbeit. Geistesarbeit. Nachdenkarbeit. Zukunftsarbeit.

(Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, Printausgabe, 18./19.12.2010)